14.07.2013 von Sven Ste­phan

Zwi­schen Ur­hirn und Neo­cor­tex geht´s um Dei­ne Frei­heit

Über den Spruch: „Ich hab ja selbst nichts zu ver­ber­gen.“ ha­be ich mich ja be­reits aus­führ­lich em­pört. Nun möch­te ich mich ei­nem wei­te­ren Schwach­ma­ten-Ar­gu­ment kurz wid­men, das der­zeit ger­ne ver­wen­det wird ,um die De­bat­te zu be­en­den  be­vor sie über­haupt erst be­gon­nen hat.

„Ach Sven. Wenn es doch di­ent, sich ge­gen den Ter­ror zu schüt­zen. Was wür­dest Du denn ma­chen, wenn Dei­ne Fa­mi­lie ei­nem An­schlag zum Oper fällt. Dann möch­te ich Dich mal hö­ren?“ Alt­ge­wor­de­ne Kriegs­di­enst­ver­wei­ger ken­nen das, die­se im Kon­junk­tiv an­ge­führ­ten Ar­gu­men­te: „Was wür­den Sie denn tun, wenn je­mand ih­re Fa­mi­lie an­g­reift und Sie ei­ne Waf­fe zur Hand hät­ten?“

Fra­gen wie die­se rich­ten sich na­tür­lich di­rekt ans Ur­hirn, den Hirn­stamm, das ge­sam­te Lim­bi­sches Sys­tem, das Klein­hirn und im wei­tes­ten Sin­ne auch an Be­rei­che der rech­ten Hin­hälf­te, die in ih­rer Ge­samt­heit dann meist spon­tan und un­be­wusst nach Ver­fol­gung, Ver­gel­tung und mehr Si­cher­heit um je­den Preis sch­rei­en.

Aber der Mensch und sein Ge­hirn ha­ben sich ja zum Glück wei­ter­ent­wi­ckelt, auch wenn nur we­ni­ge von uns die­se be­son­de­re Er­run­gen­schaft der Evo­lu­ti­on, wie z.B. den Neo­cor­tex, zu nut­zen schei­nen. Die­ser rea­giert näm­lich be­wuss­ter und wen­det sich der Au­ßen­welt doch meist ra­tio­na­ler zu.

Und ra­tio­nal be­trach­tet las­sen sich dann auch Ant­wor­ten im Kon­junk­tiv for­mu­lie­ren, die eben die­se Au­ßen­welt mit ein­be­zie­hen und nicht nur das ar­chai­sche Ge­fühl nach Schutz, Si­cher­heit, Ver­tei­di­gung der Sip­pe und Blu­tra­che Aus­druck ver­lei­hen. Ei­ne Ant­wort könn­te z.B. sein. 
„Könn­te es nicht sein, dass so ein An­schlag uns nur ein­mal mehr zeigt, dass sich trotz mil­li­ar­den­fa­chem Da­ten­sau­gens sol­che Ver­b­re­chen nicht ver­hin­dern las­sen?“ Ei­ne wei­te­re: „Wä­re es nicht sinn­vol­ler die Mil­li­ar­den  Dol­lar und Eu­ros, die in die Ge­heim­di­ens­te und ih­re Über­wa­chungs­ap­pa­ra­te flie­ßen, end­lich in die Be­kämp­fung der welt­wei­ten Ur­sa­chen für den Ter­r­o­ris­mus zu in­ves­tie­ren?“ Oder noch ei­ne: „Was könn­te mich ei­gent­lich nicht zu der An­nah­me ver­lei­ten las­sen, dass At­ten­ta­te wie die­se nicht so­gar letzt­end­lich von Ge­heim­di­ens­ten „in­i­ti­ier­t“, bzw. „tol­le­rier­t“ wer­den, um ih­re ei­ge­ne, to­ta­li­tä­re, un­kon­trol­lier­ba­re Macht wei­ter zu fes­ti­gen und aus­zu­bau­en?“

Ja der Kon­junk­tiv eig­net sich her­vor­ra­gend da­zu, De­bat­ten wie die­se nicht nur zu be­en­den, son­dern tief­sin­nig vor­an­zu­t­rei­ben.

Als Kind der 60er re­prä­sen­tie­re ich ei­ne Ge­ne­ra­ti­on, die wie kei­ne an­de­re zu­vor von dem Kampf vor­he­ri­ger Ge­ne­ra­tio­nen für in­di­vi­du­el­le Frei­heit, für Völ­ker-, Men­schen- und Bür­ger­rech­te  pro­fi­tiert hat. Um so mehr bin ich per­sön­lich dar­über ent­setzt, dass es doch so vie­le Sch­nach­ba­cken  ge­ra­de in mei­ner Ge­ne­ra­ti­on gibt, die sich so we­nig über den Um­stand em­pö­ren, wie es der­zeit um un­se­re „Grund­f­rei­hei­ten“ be­s­tellt ist. Statt­des­sen wird lie­ber rasch zu To­de re­la­ti­viert: „Ach das ist doch al­les nix neu­es. Ich ver­steht die gan­ze Pa­nik nicht. War doch längst klar, dass die ein­fach al­les ab­hö­ren und was kann man da schon tun?“

Ei­ne Men­ge, wie ich fin­de. Und ein gu­ter An­fang wä­re, sich min­des­tens re­gel­mä­ß­ig und laut­stark zu em­pö­ren. Und dann? Wei­ter em­pö­ren!!! Ist das al­les? Das hängt von Dir ab. Ei­ne wei­te­re sehr gu­te und vor al­lem ak­tu­el­le Mög­lich­keit wä­re es, bei der kom­men­den Bun­des­tags­wahl ein­fach mal den plum­pen Pro­test­wäh­ler zu ge­ben! Warum nicht? Was spricht da­ge­gen, ent­nervt nicht zu wäh­len oder ge­lang­weilt das glei­che zu wäh­len? Was spricht da­ge­gen, es Mut­ti ri­chen zu las­sen (hin­rich­ten wo­hel eher)? Al­ter­na­ti­ven in Form der Pi­ra­ten gibt es doch (sie­he hier auch mal un­ter http://www.pi­ra­ten­par­tei.de/2013/07/08/wel­co­me-mr-snow­den-pi­ra­ten-ak­ti­on-an-acht-deut­schen-flug­ha­fen/), so wie es auch Al­ter­na­ti­ven gibt für Eu­ro­kri­ti­ker, die nicht gleich Eu­ro­pa­kri­ti­ker sein müs­sen.

Ich weiß - da kann man gleich schon wie­der vie­les oder auch al­les Re­la­ti­vie­ren. Auch da­zu tra­gen ja die Me­di­en ger­ne bei. Aber Leu­te, da spricht dann lei­der auch der Neo­cor­tex aus euch her­aus. Und so ge­se­hen, ist er dann lei­der auch ei­ne Fal­le. Da­her ap­pel­lie­re ich mal zu Ab­wechs­lung, eu­rem Ur­hirn zu ver­trau­en und un­se­ren der­zei­ti­gen staats­ra­gen­den Po­lit­kern, die so prag­ma­tisch un­se­re Frei­hei­heits­rech­te ver­ra­ten, or­dent­lich eins in den Un­ter­leib zu tre­ten - mit je­der Stim­me für Stim­me für Stim­me...

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