06.05.2014 von Sven Ste­phan

Vom "Ra Ra Ras­pu­tin" zum "Ha Ha Hass-Pu­tin"

"The­re li­ved a cer­tain man in Rus­sia long ago
. He was big and strong, in his eyes a fla­ming glow. 
Most peop­le loo­ked at him with ter­ror and with fe­ar
..." wuss­te schon "Bo­ney M" einst zu sin­gen.

Und in den Ge­sang ein­stim­men, könn­te man ak­tu­ell auch mit die­sem leicht mo­di­fi­zier­ten Re­frain der Grup­pe Dschin­ghis-Khan:

„Mos­kau, Mos­kau
Stellt die Sch­wuch­teln an die Wand
Russ­land ist ein star­kes Land
Ho ho ho ho ho, hey.

Mos­kau, Mos­kau
Dei­ne Füh­rer sind so groß
Der Wes­ten macht sich in die Hos´,
Ha ha ha ha ha, he­y“

So oder so ähn­lich träl­lert der­weil nicht nur der bö­se Rus­se, son­dern auch die ge­ball­te in­ter­na­tio­na­le Na­tio­na­lis­ten-, Fa­schis­ten- und Olig­ar­chen-Sip­pe - an­ge­feu­ert von ei­ner ge­schäfts­tüch­ti­gen Mi­li­tär­in­du­s­trie und wer weiss, vi­el­leicht so­gar noch von so man­chem fehl­ge­lei­te­ten Alt-Kom­mu­nis­ten, der nicht mit­be­kom­men hat, dass in Russ­land al­les an­de­re herrscht als die Re­nais­san­ce des kom­mu­nis­ti­schen Ma­ni­fes­tes.

Nun, ich hab nicht ein­mal „Ein­bil­li­ons­tel Scholl-La­tour-Welt-und-Le­bens-Er­fah­rung“ und in Sa­chen real­po­li­ti­scher Wahr­hei­ten müss­te ich wohl erst ein­mal mit dem Alt-Kanz­ler Schrö­der Ge­burts­tag fei­ern. Mei­ne Wahr­neh­mung, die­ses einst so mäch­ti­gen Rei­ches dort im Os­ten, ist da­her - zu­ge­ge­ben - durch­aus me­di­en­be­stimmt.

Doch als Le­ser di­ver­ser links- und rechts­po­li­ti­scher Of­f­li­ne und On­li­ne-Me­di­en, kann ich es am En­de dre­hen und wen­den wie ich will. Nein - ich mag es nicht. Die­ses Pu­tin-Russ­land. Es wi­dert mich förm­lich an - mich, „die­se li­be­ra­le Wer­be-Sch­wuch­tel“, der man aus ul­t­ra-na­tio­nal-rus­si­scher Sicht am bes­ten das Maul für im­mer mit Mc­Do­nald Bur­gern stop­fen soll­te - oder bes­ser noch, mit ver­seuch­ten Bur­ger King Ex­em­pla­ren.

Wäh­rend ich mich, auf­grund mei­ner ge­le­gent­lich for­mu­lier­ten Ame­ri­ka-Kri­tik, ja ängst schon von der US-Auf­klär­ungs­ma­schi­ne­rie als über­wa­chungs­wür­dig ein­stu­fe (ja, ja, die­ser Ver­fol­gungs­wahn), füh­le ich mich vom "ak­tu­el­len Rus­sen Feind­bild" doch we­sent­lich mas­si­ver be­droht.

Ein li­be­ra­ler Geist, des­sen Rech­ner, E-Mails und Posts re­gel­mäs­sig von der NSA durch­stöb­ert wer­den ist halt doch noch et­was an­de­res, als ein li­be­ra­ler Geist, der eins auf die Fres­se be­kommt und dem das „La­ger“ droht.

Nein - die­se von Te­s­tos­te­ron und Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xen ge­steu­er­te ra­di­ka­le An­ti- und ge­n­au­so ra­di­ka­le Pro-Po­li­tik ist, so rein schwarz-weiss ge­se­hen, sch­licht­weg be­ängs­ti­gend.

Die­se zu­neh­men­de an­ti­de­mo­k­ra­ti­sche, pro-na­tio­na­lis­ti­sche, pro-or­tho­do­xe, An­ti-Fe­mi­nis­ten und An­ti-Schwu­len so­wie An­ti-Les­ben Staats-Ge­sin­nung in die­sem möch­te­gern sau­be­ren Russ­land, ver­b­rei­tet doch we­nig gu­te Lau­ne.

Es sei denn, man hat sich längst mit Wod­ka sein Hirn weg­ge­sof­fen und die Fett­le­ber über­nimmt das Den­ken: „Bier­trin­ker? Man er­trän­ke sie doch di­rekt in ih­rem schwu­len Weich­spül­mit­tel.“ Wein­trin­ker? An die Kork­wand mit ih­nen. Feu­er frei. Und Klein­kin­der, die aus Bi­s­pe­nol frei­en Plas­tik-Fla­schen ihr Milch­pul­ver trin­ken? Wie per­vers ist das denn? Wer nicht an ei­ner pr­o­rus­si­schen Mut­ter­brust täg­lich sein Milch-Li­kör­chen nippt, der ge­hört so­fort zur Um­er­zie­hung in die WBJ („Wod­ka be­seel­te Ju­gend)

Ach ja - die­se bö­sen Kli­schees aber auch. So­ry. Kein Wun­der. Wenn der bö­se Rus­se selbst so da­ran hängt.

Ok - ich ver­su­che ja auch die­se vie­len Pu­tin-Ver­ste­her um mich her­um zu ver­ste­hen, die uns die Ta­ge zu er­klä­ren ver­su­chen, warum wir uns doch bit­te auch mal in die Si­tua­ti­on die­ses sen­si­b­len Men­schen ver­set­zen müs­sen. Ein Füh­rer, der schein­bar ein Jahr­zehnt vom Wes­ten er­nie­d­rigt und von uns al­len nicht für ernst ge­nom­men wur­de. Der nicht re­spek­tiert wird und des­sen ehe­ma­li­ges Reich heu­te nur als ei­ne her­un­ter­ge­kom­men Re­gio­nal­macht wahr­ge­nom­men wird.

Ein Po­li­ti­ker, der zu sei­nen Ta­ten vom Wes­ten qua­si ge­zwun­gen wird -  so wie Hit­ler da­mals. Den moch­te auch kei­ner so wir­k­lich und, in sei­ne La­ge ver­setzt, war er doch auch nur ein ge­nerv­ter, von der Welt ge­hass­ter Füh­rer ei­nes über Jahr­zehn­te ge­de­mü­tig­ten Vol­kes. Hät­te die Welt­po­li­tik ihn doch nur noch ein we­nig mehr ge­liebt und ver­stan­den , dann gä­be es heu­te ja vi­el­leicht nur noch das rus­si­sche Reich im Os­ten und das deut­sche im Wes­ten und der Frie­den wä­re mit uns??!

Ja. So ge­se­hen ist das schon al­les schwer ver­ständ­lich. Und so sind wir wohl ein gro­ßes Stück selbst dran Schuld - an die­ser gan­zen Mi­se­re dort im Os­ten und die­ser ach so men­sch­li­chen Ge­gen­re­ak­ti­on.

Und mal ganz ehr­lich un­ter euch st­reng be­ken­nen­den Ka­tho­li­ken. So ei­ne Schwu­len und Les­ben freie Zo­ne im Os­ten...Mensch Vä­t­er­chen Frost, das hat doch was! Ei­ne Fra­ge nur - wie sieht es mit den Pädo­phi­len aus?

Ab und zu mal ei­nen die­ser doo­fen Pres­se-Frit­zen di­rekt aus der Talk­show nach Si­bi­ri­en ver­ban­nen, an­statt harm­lo­se Lanz-Pe­ti­tio­nen ins Le­ben zu ru­fen...Mensch, da sagt ihr doch si­cher­lich auch: „Dar­auf ei­nen Du­jar­din“....ach Gott­chen, ein­mal nicht auf­ge­passt und schon wird man von ´ner rus­si­schen Kampf-Trup­pe als Co­gnac-Sch­wuch­tel mit nem Kor­ken­zie­her ge­fol­tert. „Dar­auf ei­nen Pu­ti­no­w“ - ver­steht sich!!!

Und un­ter euch Jungs, al­so un­ter euch, den rich­ti­gen Jungs, den har­ten Ker­len...Frau­en öf­ter mal das Maul ver­bie­ten? Ist es nicht das, was wir aus­nahms­wei­se so­gar beim Mos­lem be­wun­dern oder zu­min­dest to­le­rie­ren kön­nen - ge­nau so wie beim bö­sen Rus­sen?

„Lie­be sch­meckt wie Ka­viar. Mäd­chen sind zum küs­sen da. Ho ho ho ho ho, he­y“

Al­so - ich hab´s ver­sucht lie­be Pu­tin-Ver­ste­her, aber ich komm da nicht wir­k­lich wei­ter.Ge­n­au­so we­nig wie bei Frau  von der Ley­en, die so­fort wie­der deut­sche Ge­ne­rä­le in die Ukrai­ne schi­cken wür­de - wenn auch nur als „Gäs­te oder Mit­g­lie­der ei­ner wei­te­ren OS­ZE-Kom­mis­si­on“...ge­n­au­so we­nig wie bei ei­ner Frau Mer­kel, die für Pu­tin nur den Te­le­fon­hö­rer üb­rig hat und sich für Oba­ma sch­nell mal in den Flie­ger setzt.

Da fällt mir dann zum Schluss auch nur noch die fol­gen­de Song-Zei­le ein.

„Komm wir tan­zen auf dem Tisch. Bis der Tisch zu­sam­men­bricht Ha ha ha ha ha.“
 
Oder zu gu­ter Letzt vi­el­leicht doch noch die­ser in­tel­li­gen­te, und da­her mei­nes Er­ach­tens eben­falls ir­gend­wie recht hil­f­los wir­ken­de Kom­men­tar auf www.zeit.de, der si­cher­lich recht gut zur wei­te­ren Mei­nungs­bil­dung bei­tra­gen kann. 

Zu­rück

Ei­nen Kom­men­tar sch­rei­ben