23.11.2015 von Sven Ste­phan

Sta­tis­tisch ge­se­hen sind Au­to­fah­rer sch­lim­mer als Ter­r­o­ris­ten

In letz­ter Zeit häu­fen sich wie­der die Ar­gu­men­te der Sc­hön­red­ner und Sta­tis­ti­ker, die die Din­ge ger­ne be­schwich­ti­gen. Ih­rer sch­lich­ten Er­kennt­nis nach, ist es we­sent­lich wahr­schein­li­cher, dass ich in ei­nem Au­to bei ei­nem Ver­kehr­s­un­fall ster­ben wer­de, als bei ei­nem Ter­ror­an­schlag.

Auch die Ge­fahr im Haus­halt bei ei­nem Un­fall um­zu­kom­men sei doch we­sent­lich grö­ß­er für mich und über­haupt ge­hö­re der Ter­r­o­ris­mus nun mal zu un­se­rer al­ler Le­bens­rea­li­tät: wie schein­bar Dia­be­tes, Krebs, di­ver­se Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen, ja, wie auch der Früh­ling, Som­mer, Herbst und Win­ter.

Na dann - wenn´s so ist. Be­ru­higt ja un­ge­mein - oder?

Doch ge­nau da­rin er­scheint mir das Übel un­se­rer Zeit. Nie­mand schein sich wir­k­lich noch um ir­gend­was zu küm­mern. Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl? Was´n das für´n Fremd­wort? Das ist halt so - heißt es an al­len Ecken und warum die Ur­sa­chen be­kämp­fen, wenn´s vom Doc was ge­gen die Symp­to­me gibt?

Let´s ha­ve fun. Das bes­te Hilfs­mit­tel ge­gen Ter­ror ist die Ker­zen­par­ty und da­nach nicht´s wie hin zum nächs­ten Kon­zert. Wir wer­den den Ter­ror in den Bo­den tan­zen, ihn zu To­de fei­ern und wir he­ben das Cham­pag­ner-Glas auf die To­ten von Pa­ris und he­ben die nächs­ten schon auf die kom­men­den Op­fer von „?“….ver­ges­sen wir die Blu­tra­che, Zahn um Zahn?, wir sind doch zi­vi­li­siert und so­lan­ge das Blut noch in un­se­ren Adern fließt und nicht auf dem Bo­den ge­rinnt, so­lan­ge fließt der Cham­pag­ner in un­se­re Glä­ser. Auf das Le­ben! Auf die Lie­be. Lasst uns wie Blu­men­kin­der sin­gen und tan­zen, was zur Be­ru­hi­gung rau­chen und ge­mein­sa­me wei­nen und lie­ben und last uns auch wei­ter­hin ei­nen Au­toun­fall oder Trep­pen- oder Lei­ter­s­turz beim Fens­ter­put­zen mehr fürch­ten als je­den selbst er­nann­ten Got­tes­krie­ger.

Ja so lässt es sich le­ben und lässt es sich ster­ben und komm mein Freund, noch ein Glä­schen Cham­pag­ner, be­vor wir nach Hau­se fah­ren. Ach was, ich neh­me gleich noch ein paar Fla­schen mit und trin­ke sie al­le bei der Heim­fahrt.

Es le­be das Le­ben und es le­be die­se Nacht, die noch lan­ge nicht zu En­de ist. „Ich la­che über den Ter­ror. Kommt trinkt mit mir“, ru­fe ich den Po­li­zis­ten in der Ver­kehrs­kon­trol­le zu, die ich mit lee­ren Cham­pag­ner-Fla­schen be­wer­fe und: „Ja lass uns fei­ern, mein Freun­d“, ru­fen die Po­li­zis­ten mir zu, ho­len eis­ge­kühl­ten Cham­pag­ner aus Ih­rem Po­li­zei­wa­gen, trin­ken und tan­zen mit mir auf der Stras­se, schie­ßen mir Ih­ren Pi­s­to­len in den Ster­nen­him­mel und, ja, die Wahr­schein­lich­keit, dass ich in Zu­kunft im Stras­sen­ver­kehr ums Le­ben kom­me, ist in der Tat deut­lich ge­s­tie­gen….

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