30.11.2011 von Sven Ste­phan

So vie­le "Bur­nouts" ma­chen fast schon de­pres­siv.

Das Bur­nout-Syn­drom ist ei­gent­lich ein viel zu erns­tes The­ma für mei­nen Blog. Aber ich ha­be heu­te ei­nen Ha­sen über­fah­ren und fra­ge mich nun, litt der ar­me Hüp­fer vi­el­leicht an Bur­nout? Stress hat­te er be­stimmt ge­nug. Ge­ra­de jetzt wo ihm das Grün­zeug und die Ka­rot­ten aus­ge­hen und es auf Wald und Wie­sen rich­tig un­ge­müt­lich wird. Auf je­den Fall hat er sich di­rekt vor mei­ne Rei­fen ge­sch­mis­sen und ich hat­te kei­ne Chan­ce mehr zu brem­sen. Das ist trau­rig. Vor al­lem für den Ha­sen.

Ja, wun­dern wür­de es mich nicht, wenn dem­nächst For­scher her­aus­fin­den wür­den, dass es zum Bei­spiel auch to­tal aus­ge­brann­te Amei­sen gibt, die sich aus lau­ter Ver­zweif­lung und To­des­sehn­sucht vor Ech­sen und Na­sen­bä­ren sch­mei­ßen. Und an­de­re, die sich auf ei­nem klei­nen Ast weit hin­aus auf den of­fe­nen See trei­ben las­sen - wo sie ent­we­der vor lau­ter Lang­wei­le ei­nen In­farkt be­kom­men oder - soll­te der Amei­sen­gott sich als gnä­d­ig er­wei­sen - so­fort von ei­nem in­sek­ten­fres­sen­den Fisch ver­tilgt wer­den.

Nein  ich ma­che mich nicht lus­tig über die­ses durch­aus ernst­haf­te The­ma - das mei­nes Er­ach­tens je­doch me­dial der­art aus­ge­schlach­tet wur­de und noch im­mer wird, dass es mitt­ler­wei­le je­de Men­ge ver­brann­te Er­de hin­ter­lässt. Ge­ra­de zum Scha­den von Ot­to Nor­mal.

Ich stel­le mir förm­lich vor wie Karl.B., ein be­f­reun­de­ter Bank­an­ge­s­tell­ter oh­ne Lei­den­schaft, mor­gen zu sei­nem Chef geht und sagt: „Boss. Ich ha­be Bur­nout. Ich brau­che Ih­re Hil­fe.“ Was wird dann wohl pas­sie­ren? Mit al­ler Wahr­schein­lich­keit ant­wor­tet sein Chef:„Ach wir­k­lich, Sie jetzt auch? Hö­ren Sie mal - ich war lei­der zu­erst dran. Hab es ges­tern nach oben ge­mel­det! Ich kann Ih­nen da im Mo­ment nicht wei­ter­hel­fen. Das ver­ste­hen sie doch. Wie sähe das denn aus, wenn jetzt auch noch Sie...al­so nein...“

Ja - so ge­se­hen kann so man­cher ernst­haf­te Bur­nout mitt­ler­wei­le fast schon zu spät kom­men. Tra­gisch und ge­fähr­lich! Für mich kommt das The­ma so­wie­so um Jahr­zehn­te zu spät. Denn ich schwö­re - mei­nen ers­ten Bur­nout hat­te ich be­reits mit 4. Im Kin­der­gar­ten.

Wie auch im­mer. Auf je­den Fall scheint es an­de­re ja zu sti­mu­lie­ren. Lei­der nur wie im­mer die Fal­schen. Die Sui­zi­de neh­men zu - oder ist das nur die Wahr­neh­mung? Nur die Zu­ord­nung und Ge­wich­tung ei­nes ei­gent­lich doch ganz nor­ma­len Wahn­sinns? Zi­tat Käst­ner:" Wird´s bes­ser, wird´s sch­lech­ter? Sein wir ehr­lich. Le­ben ist im­mer le­bens­ge­fähr­lich."

Auf je­den Fall be­sch­leicht mich das un­gu­te Ge­fühl, dass  sich be­reits in Kür­ze der ers­te Fuss­ball-Re­por­ter in ei­ner Li­ve-Schal­tung die Ku­gel gibt und ein ge­stress­ter Fan nach dem Spiel nicht nur sei­ne Ve­r­eins­fah­ne ab­fa­ckelt, son­dern gleich sich selbst.

Mal ernst­haft? Wer hät­te je ge­dacht, dass es der­art stres­sig ist, Fuss­ball zu spie­len oder nur zu pfei­fen? Am En­de so­gar ihn auch noch zu kom­men­tie­ren und - ja wir­k­lich - an­zu­se­hen? Wel­che Dra­men ver­ber­gen sich hin­ter ei­nem schein­bar völ­lig harm­lo­sen Ge­sche­hen wie die­sem? Und wel­chen Druck müs­sen dann wohl erst Tex­ter, Gra­fi­ker und - noch viel här­ter - die­se ar­men Kon­tak­ter­schwei­ne ("Schwei­ne" nur im Zu­sam­men­hang mit "arm" bit­te ver­ste­hen) aus­hal­ten? Und nicht zu ver­ges­sen die Bus­fah­rer, Fließ­band­ar­bei­ter, Frit­ten-Bu­den-Be­sit­zer, Fri­seu­re, Piz­za-Bä­cker, Bröt­chen-, Kos­me­tik- und gar Blu­men­ver­käu­fer der Na­ti­on?

Mensch, ich fra­ge mich ernst­haft - wenn sich mor­gen Pau­la F., Putz­frau, aus dem 10. Stock­werk ei­nes Bür­o­hoch­hau­ses wirft, ir­gen­wo in ei­ner ver­d­reck­ten Klein­stadt im Sau­er­land, was wird dann wohl los sein? Ei­ne Talk­show noch am glei­chen Tag? Wohl eher nicht. Da müss­te sie schon im Kanz­ler­amt sau­ber ma­chen. Denn so ein Ab­gang al­lei­ne, der reicht halt nicht für´s TV und die wei­te­re öf­f­ent­li­che De­bat­te. Da fehlt der Gla­mour. Das Flair. Das Un­er­war­te­te. Ja -auch mein to­ter Ha­se kann ein Lied da­von von sin­gen.*

*Zu­min­des­tens so­lan­ge wie er nicht auf der Sand­bank Sch­litt­schuh läuft.

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