12.07.2015 von Sven Ste­phan

...oder wenn es doch nur ein Kar­ne­vals­ve­r­ein wä­re...

Die­ser Blog­bei­trag von Dr. Jörg Eh­mer er­in­ner­te mich an ei­ne ganz ähn­li­che Ge­schich­te aus Be­ris. Und zwar an ei­nen einst fröh­li­chen Ver­bund von Kar­ne­vals­ve­r­ei­nen, der heu­te bit­ter­bös un­te­r­ein­an­der ver­s­trit­ten ist. Wie auch im­mer man zu­sam­men­kam - da­hin­ter stand auf je­den Fall, so er­zählt man sich, die großar­ti­ge po­li­ti­sche Idee ei­ner "Spaß­ge­sell­schaft un­ter Glei­chen", wo­bei es auch bös­ar­ti­ge Stim­men gibt, die von ei­ner ver­schwo­re­nen Kar­ne­vals-Lob­by be­rich­ten, die die Po­lit­ker an­geb­lich nur für ih­re wirt­schaflti­chen In­ter­es­sen und so­mit für die­se när­ri­schen Idee ge­won­nen hat­ten.

Wie auch im­mer - auf je­den Fall for­der­ten die Po­li­ti­ker und die Be­hör­den der Stadt­ver­wal­tung von Be­ris, zu­künf­tig qua­si ve­r­eins­über­g­rei­fen­de Prunk­sit­zun­gen in al­len Ve­r­ei­nen auf dem gleich ho­hen Ni­veau zu fei­ern.

In die­sem Ver­bund ver­spra­chen dann aus­ge­rech­net die größ­ten Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne al­len an­de­ren Ve­r­ei­nen, dass sie durch ih­ren Bei­tritt traum­haf­te Ve­r­eins­fes­te auf Leb­zei­ten fei­ern wür­den. Ge­nau so, wie die gro­ßen Ve­r­ei­ne es schon seit Jahr­zehn­ten ta­ten. Zu die­sem Zweck ver­an­lass­ten die Vor­stän­de der wirt­schafltich mäch­ti­ge­ren Ve­r­ei­ne ih­re Kas­sen­war­te, mög­lichst rasch ho­he Kre­di­te an die wirt­schaft­lich klei­ne­ren Ve­r­ei­ne aus­zu­zah­len.

Die Kas­sen­war­te sam­mel­ten dar­auf­hin grö­ße­re Sum­men bei ih­ren zahl­rei­chen, gut ver­die­nen­den Mit­g­lie­dern ein, in dem sie ih­nen teu­re "VIP-Kar­ten" für die Kar­ne­vals­sit­zun­gen der nächs­ten 10 Jah­re ver­kauf­ten - mit al­lem drum und drann. Die äu­ßerst ge­sel­li­gen, ge­n­au­so froh- wie leicht­sin­ni­gen Nar­ren ga­ben be­reit­wil­lig ihr Geld für die­se VIP-Ti­ckets aus. Die­se Einn­ha­men wur­den dar­auf­hin un­mit­tel­bar an die klei­ne­ren Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne als Kre­dit wei­ter­ge­reicht. Die­se muss­ten je­doch im Ge­gen­zug mit den Kre­di­ten aus­ge­rech­net bei den Händ­lern das um­fang­rei­che und hoch­wer­ti­ge "Kar­ne­val­spar­ty­zu­be­hör" ein­kau­fen, bei de­nen die Vor­stän­de der größ­ten Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne In­ha­ber oder An­teils­eig­ner wa­ren oder bei de­nen wie­der­um vie­le der stets gut zah­len­den Mit­g­lie­der der gro­ßen Ve­r­ei­ne in Lohn und Sold stan­den. Sch­ließ­lich ging es ja dar­um  al­le zu­sam­men auf ei­nem mög­lichst ho­hem, gleich­be­rech­tig­ten Ni­veau zu Fei­ern. Das war die Idee da­hin­ter und die le­cke­ren Ka­mel­len, das gu­te Bier, die gan­ze Tech­nik und das gro­ße Kar­ne­vals-Know how gab es eben nur bei den füh­r­en­den Kar­ne­vals­un­ter­neh­men zu be­zie­hen.   

Als die klei­ne­ren Ve­r­ei­ne sch­ließ­lich al­le Kre­di­te für ih­re ei­ge­nen großar­ti­gen Prunk­sit­zun­gen aus­ge­ge­ben hat­ten, stan­den sie vor dem Di­lem­ma, dass sie die Zin­sen für die Kre­di­te nicht mehr be­die­nen konn­ten. Um ehr­lich zu sein, es war auch ab­zu­se­hen, dass sie die Kre­di­te ei­gent­lich nicht mehr zu­rück­zah­len konn­ten.

Nun stan­den die gro­ßen Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne vor dem Di­lem­ma, dass Sie die Ein­nah­men aus den VIP-Kar­ten-Ver­kauf qua­si sinn­los ver­brannt hat­ten und die da­mit ver­bun­de­nen Er­war­tun­gen ih­rer Mit­g­lie­der nie­mals er­fül­len konn­ten. Wie soll­ten sie das nur kom­mu­ni­zie­ren? Gleich­zei­tig stan­den die Vor­stän­de der klei­ne­ren Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne vor dem Di­lem­ma ih­ren Mit­g­lie­dern mit­zu­tei­len, dass es doch kei­ne Prunk­sit­zun­gen mehr auf Leb­zei­ten ge­ben wür­de - und noch sch­lim­mer - dass es auf ab­seh­ba­re Zeit wohl gar kei­ne Kar­ne­vals­fes­te mehr ge­ben kön­ne. Zu­sätz­lich müs­se man aber jetzt die Mit­g­lieds­bei­trä­ge noch er­höhen, um den grö­ße­ren Ve­r­ei­ne ih­re Zin­sen und Kre­di­te lang­fris­tig zu­rück­zu­zah­len.

Nun ka­men die Vor­stän­de und Kas­sen­war­te der wirt­schaft­lich im­mer noch recht star­ken Ve­r­ei­ne auf die Idee, sich ir­gend­wie noch ein­mal Geld zu be­sor­gen, dass man den Kas­sen­war­ten der klei­ne­ren Ve­r­ei­ne er­neut als Kre­dit wei­ter­rei­chen konn­te, mit de­nen die­se wie­der­um ih­re Erst­k­re­di­te bei den gro­ßen Ve­r­ei­nen zu be­zah­len hät­ten. Ein klei­ner Teil da­von könn­te dann dur­haus auch für wei­te­re Prunk­sit­zun­gen aus­ge­ge­ben wer­den, um die Mit­g­lie­der der klei­ne­ren Ve­r­ei­nen nicht völ­lig zu ver­p­rel­len.

Zur Be­schaf­fung die­ser Geld­sum­men wur­den er­neut die ei­ge­nen Mit­g­lie­der an­ge­zapft mit dem Ver­sp­re­chen, dass man die ak­tu­ell ja doch eher un­si­che­ren "10 Jah­res VIP-Ti­ckets" nun in "20-Jah­re-Lu­xus-VIP-Ti­cket" trans­for­mie­ren wür­de:  wie­der mit al­lem drum und drann und so­gar mit et­was mehr. Ge­gen Vor­aus­zah­lung ei­ner recht ho­hen, aber an­stän­di­gen und durch­aus noch trag­ba­ren Sum­me, ver­steht sich. Die­se Kre­di­te soll­ten dann die klei­ne­ren Ve­r­ei­ne aber auch wir­k­lich nur dann be­kom­men, wenn sie im Ge­gen­zug ver­spra­chen, deut­li­che Ve­r­eins­re­for­men durch­setz­ten.
Zum ei­nem we­sent­lich höhe­re Mit­g­lieds­bei­trä­ge und zum an­de­ren Son­der­zu­la­gen für klei­ne Kar­ne­vals-Ve­r­eins­fes­te, bei de­nen je­doch nur noch Was­ser aus­ge­schenkt und Brot­kru­men in die Mas­se der trau­ri­gen Nar­ren ge­sch­mis­sen wer­den soll­te. Mit die­sen Ein­nah­men soll­te dann mit­tel- bis lang­fris­tig auch die zwei­te Kre­dit­sum­me zu­rück­ge­zahlt wer­den kön­nen..usw...auf je­den Fall, ei­ne recht un­lus­ti­ge An­ge­le­gen­heit bahn­te sich an. 

Das war al­so der gro­ße Plan, den die klei­ne­ren Kas­sen­war­te sch­ließ­lich auch an­nah­men. Dum­mer­wei­se stell­te sich je­doch schon re­la­tiv kurz­fris­tig her­aus, dass den Mit­g­lie­dern der klei­nen Ve­r­ei­ne recht sch­nell der Spass ver­ging und sie rei­hen­wei­se aus dem Ve­r­ein au­s­t­ra­ten. Zu­rück­b­lie­ben ver­dut­ze Kas­sen­war­te, die zu­neh­mend ner­vös - hü­ben wie dr­ü­b­en - auf ih­ren un­se­li­gen Schul­den und halt­lo­sen Ver­sp­re­chun­gen sa­ßen. Der­weil tra­ten die Nar­ren der klei­ne­ren Ve­r­ei­ne wei­ter fleis­sig aus und ein­fach in ei­nen an­de­ren Ve­r­ein ein, der wie­der­um je­de Men­ge Spaß ver­sprach und das so­gar aus dem Nichts her­aus. Wie das funk­tio­nie­ren soll­te, war selbst dem klügs­ten Nar­ren nicht wir­k­lich klar - aber egal, Haupt­sa­che es klang lus­tig.

Und wäh­rend die Kas­sen­war­te der klei­nen und gro­ßen Ve­r­ei­ne sich ge­gen­sei­tig die Schuld zu­wie­sen, ein­an­der ver­ur­teil­ten und je­der je­den laut­hals als Spass­b­rem­se be­schimpf­te, rie­ben sich die Vor­stän­de der gro­ßen Ve­r­ei­ne zu­rück­bli­ckend die Hän­de. Sie hat­ten erst­mal ihr Ge­schäft ge­macht. Und, wie auch im­mer das Gan­ze aus­ge­hen soll­te (denn längst wur­de von den Be­ri­ser Po­lit­kern ei­ne durch die Stadt ab­ge­si­cher­te "Su­per-Pre­mi­um-Lu­xus-VIP-Kar­ten-Ide­en" ins Spiel ge­bracht), die Vorts­än­de der Kar­ne­vals­ve­r­ei­ne wa­ren sich si­cher, es wür­de früh ge­nug wie­der die nächs­ten Nar­ren ge­ben, die ih­ren Spass ein­for­der­ten. Kos­te es was es wol­le und dann stün­den sie wie im­mer be­reit. Mit krea­ti­ven Kas­sen­war­ten und vie­len tol­len Ide­en. Ganz im Ernst..

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