18.01.2012 von Sven Ste­phan

Neue Tex­te braucht die Welt.



Die­ser Link be­weist es. Ein Bild sagt mehr als 1000 Wor­te.
  Stimmt. Neue Tex­te braucht die Welt! Schwarz auf weiss und weiss auf schwarz.

„In­no­va­ti­ves Ge­re­de dank mo­derns­ter Phra­send­re­sche­rei". Selbst ein Trau­er­k­loss bringt mehr ins Rol­len. "Call to Not­hing". So kann man in Deutsch und im "krea­ti­ven Eng­lisch" die meis­ten Wer­be­tex­te - On­li­ne wie Of­f­li­ne -  be­sch­rei­ben. Sinn­los. Fa­de. Öde. Ner­vend. Tau­send­mal ge­hört und tau­send­mal...ja. Ge­n­au­so.

Statt­des­sen wür­de je­der Blind­text für mehr Auf­merk­sam­keit und „Call to ac­ti­on“ sor­gen. Egal wel­ches Bu­si­ness. Die Tex­te sind meist platt, ge­ne­risch, emo­ti­ons­los und nichts­sa­gend. Ei­ne Idee da­hin­ter? Nicht zu er­ken­nen. Selbst Wie­der­käu­er hin­ter­las­sen in­ten­si­ve­re Duft­no­ten.

Woran liegt das nur? Warum sind so vie­le Wer­be­ver­ant­wort­li­che der­art platt und un­sen­si­bel un­ter­wegs, wenn es um bes­se­re Tex­te und um noch bes­se­re Ide­en geht? Warum sind sie lang­wei­li­ger als Bu­si­ness-So­cken?

„Liest doch eh kei­ne Sau“, heisst es dann nicht sel­ten lüm­mel­haft oder „Das sind doch al­les nur Grau­wer­te für die Leu­te“ pseu­do krea­tiv. Ät­zen­der ist nur noch: „Un­se­re Ziel­grup­pe ist halt blöd wie Schif­fer­schei­ße.“

Mei­ne Da­men und Her­ren. Wie kann man ernst­haft mit Schif­fer­schei­ße sei­ne Pro­duk­te und
Di­enst­leis­tun­gen ver­kau­fen? Und die Fra­ge steht so­fort im Rau­me: “Warum be­sch­meisst man sei­ne Kun­den über­haupt mit Fä­ka­li­en, an­statt ih­nen min­des­tens mal ein Raum­spray an­zu­bie­ten?“

Die Rea­li­tät im In­ter­net, auf Bro­schü­ren, An­zei­gen und in Wer­be­brie­fen ist sch­licht­weg be­schä­m­end. Und es scheint oft so, dass die ho­hen Wäch­ter selbst der kleins­ten Wer­be­bud­gets ih­re Bot­schaf­ten und Wer­be­in­hal­te auch noch dem arm­se­ligs­ten Sen­de­for­mat der „Pri­va­ten“ qua­li­ta­tiv an­pas­sen wol­len.

Aber ist das Deut­sch­land? Sind das die Men­schen, die wir ken­nen und die wir Tag ein Tag aus in Su­per­märk­ten, Ki­nos, Kran­ken­häu­s­ern, auf Spiel­plät­zen, in Schu­len und Kin­der­gär­ten, an Tank­s­tel­len, im Ur­laub oder wo auch im­mer tref­fen? Wel­ches Menw­chen­bild ha­ben sie?

Nun - die Wer­bung schaut schein­bar nicht mehr rich­tig hin und das Zu­hö­ren ist auch schon lan­ge nicht mehr ih­re Stär­ke. Sie la­bert im Leer­lauf. Eckt nicht an. Nur kei­ne Kan­te zei­gen und spitz bleibt nach wie vor nur Nach­bars Lum­pi. Fla­che Ide­en pro­du­zie­ren fla­che Tex­te. Eben sach­lich, tak­tisch und dann auch "fuck­tisch*

Das Er­geb­nis klingt dann so elen­dig aus­ge­lutscht wie „Sex and Drugs and Rock´n Rol­l“ (egal auf was ge­druckt und wie vor­ge­tra­gen) oder „Pe­ace and Lo­ve and Hap­pi­nes­s“. Sie wol­len es auf Deutsch? Dann neh­men Sie doch „Frie­de und Freu­de und Ei­er­ku­chen“, ger­ne auch von ei­nem Tex­ter im wei­ßen T-Shirt vor­ge­tanzt. Aber nicht von mir!

Al­so mei­ne lie­ben „euch möcht´ ich gern ha­ben Kun­den“. Macht mehr aus Eu­rem Bud­get. Spart mal an Me­dia-Kos­ten al­lein schon auf Kos­ten eu­rer Lang­wei­le und Mut­lo­sig­keit. Mit Spra­che geht das. Mit Ide­en geht es noch viel bes­ser. Mit eu­rem Mut könnt ihr Wel­ten be­we­gen. Al­so, ihr wisst jetzt was zu tun ist. Dann klappt´s auch wie­der mit der Wer­bung.

PS: Sie wol­len vom Au­tor die­ses Tex­tes un­be­dingt er­fah­ren, wie man bes­se­re und er­folg­rei­che­re Wer­be­tex­te sch­reibt? Wie blöd ist das denn? Das bleibt mal ganz sc­hön mein Ge­heim­nis. Und Sie plagt wei­ter­hin die Fra­ge - was bin ich  Ih­nen wert und erst da­nach schul­dig?



*Ei­gen­wort-Sc­höp­fung für das Phä­no­men, bei dem Mar­ke­ting- und Agen­tur­men­schen nicht mehr ih­rem Her­zen fol­gen und ih­rem Bauch­ge­fühl trau­en und sich statt­des­sen von „Ma­fo& Kol­le­gen“ den run­den Tisch vor­be­rei­ten las­sen für „In­no­va­ti­ves Ge­re­de dank mo­derns­ter Phra­send­re­sche­rei.“

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