25.07.2016 von Sven Ste­phan

Mord und Tot­schlag und wei­ter so, wie im­mer.

Man hört es in die­sen Ta­gen des Ter­rors, der nun auch Deut­sch­land zu­neh­mend er­reicht, ja im­mer wie­der. Wir las­sen uns nicht un­ter­krie­gen. Wir wer­den uns dem Ter­ror nicht beu­gen. So wie ich es kürz­lich auch hier, bei ei­nem be­f­reun­de­ten Blog­ger le­sen konn­te:  "Wir dür­fen uns durch sol­che ab­scheu­li­chen Er­eig­nis­se nicht da­zu brin­gen las­sen, dass wir un­ser Le­ben und un­se­re Ge­wohn­hei­ten än­dern. Egal ob die Ge­walt von links, von rechts, durch ver­b­len­de­te re­li­giö­se Mo­ti­va­ti­on oder durch psy­chi­sche Krank­hei­ten aus­ge­löst wir­d“

Ich se­he das an­ders. Denn ich den­ke schon, dass die­se zu­neh­men­de Ge­walt An­lass ge­nug bie­tet, um Angst zu ha­ben. Angst vor ei­ner ge­wis­sen un­re­f­lek­tier­ten Trotz­hal­tung, die am En­de nur da­zu füh­ren wird, dass wir ähn­lich wie die Ti­ta­nic mit Sang und Klang, im de­ka­den­ten Prunk & Protz und ei­nem über­heb­li­chen Tech­no­lo­gie­wahn an ei­nem Eis­berg ver­schel­len und un­ter­ge­hen wer­den...wo­bei ich den Eis­berg in die­sem Fal­le als Sinn­bild für un­se­re ei­ge­ne glo­ba­le Ge­fühls­käl­te und un­se­re eis­kal­te Ge­schäf­te­ma­che­rei im Zei­tal­ter der Glo­ba­li­sie­rung an­se­he.  

Ich den­ke schon, dass wir dar­über Nach­den­ken soll­ten, ob wir nicht doch un­se­re Ge­wohn­hei­ten än­dern müs­sen. Für "un­se­re Frei­heit, un­se­re selbst­be­stimm­te Le­bens­art und un­se­re Wür­de" neh­men wir doch nicht sel­ten die Un­f­rei­heit, die Aus­beu­tung und Un­ter­drü­ckung an­de­rer Men­schen in Kauf. Und das ist ein gu­ter Nähr­bo­den für Ge­walt, ideo­lo­gi­schen und re­li­giö­sen Fa­na­tis­mus und letzt­end­lich Ter­ror.

Wenn es um gu­te Ge­schäf­te, Um­sät­ze, deut­sche Ar­beits­plät­ze, Share­hol­der Va­lue oder ak­tu­ell auch ir­gend­wel­che Deals in der "Flücht­lings­po­li­tik"  geht, dann ha­ben un­se­re de­mo­k­ra­ti­schen Wer­te doch lei­der nur ei­ne Reich­wei­te bis zur ei­ge­nen Lan­des­g­ren­ze (sie­he nur die ak­tu­el­le Ent­wick­lung in der Tür­kei). An vie­len Or­ten die­ser Welt ist uns das un­se­li­ge und leid­li­che Le­ben der Men­schen völ­lig egal, so lan­ge wir nur bil­lig pro­du­zie­ren und kon­su­mie­ren kön­nen. 

Auch die Ge­walt von Rechts, Links und aus der Mit­te der Ge­sell­schaft hat Ur­sa­chen, vor de­nen wir uns durch­aus fürch­ten soll­ten. Hat Angst nicht auch ei­ne po­si­ti­ve Sei­te? Ist sie nicht auch ein na­tür­li­cher Selbst­schutz, so lan­ge sie nicht lähmt?

Ich ste­he da­zu - ich ha­be Angst. Vor al­lem ha­be ich Angst vor ei­ner wei­te­ren Ver­ro­hung und Ver­wahr­lo­sung un­se­rer Ge­sell­schaft, für die der Tanz um das gol­de­ne Kalb schein­bar der höchs­te Wert ist, den es zu ver­tei­di­gen gilt. Ich ha­be Angst vor ei­ner Ge­sell­schaft, die die Hin­ter­grün­de von Ge­walt nicht wir­k­lich hin­ter­fragt und nicht be­reit ist, sich zu ve­r­än­dern. Angst vor ei­ner "Smart­pho­ni­sie­rung" des Le­bens. Weg­wi­schen und wei­ter geht´s!

Wir se­hen doch in al­len Be­rei­chen un­se­res Le­bens, dass kaum noch je­mand Ver­ant­wor­tung über­nimmt und tra­gen will. Für aso­zia­les Ver­hal­ten gibt es sel­ten ent­sp­re­chen­de Zu­recht­wei­sun­gen, ge­schwei­ge den Sank­tio­nen. Das ist doch un­cool! Und wer hat schon Zeit da­für?! Ganz im Ge­gen­teil - Po­li­tik, Wirt­schaft, Re­li­gi­on und Sport dis­k­re­di­tie­ren sich als Vor­bil­der tag­täg­lich selbst, durch ih­re un­säg­li­che Dop­pel­mo­ral: Sie­he nur die ak­tu­el­le Ent­schei­dung des IOC zum rus­si­schen Do­pingskan­dal. Lie­be FAZ on­li­ne - Wie er­klär ich´s mei­nem Kind?

Ja - ich ha­be Angst vor ei­ner Welt, die kei­ne wir­k­li­chen Leit­bil­der und Idea­le mehr vor­zu­wei­sen hat und vor ei­ner Mensch­heit, die sich im Zy­nis­mus ve­r­eint und de­ren Re­st­in­tel­li­genz so all­mäh­lich in ei­nem On­li­ne-Sumpf aus Po­ké­mon Go und Egos­hoo­ter-Spie­len ver­sinkt.

In die­sem Sin­ne. I´m ve­ry afraid! 

Zu­rück

Ei­nen Kom­men­tar sch­rei­ben

Kom­men­tar von Jörg Eh­mer | 25.07.2016

Lie­ber Sven,

auch mich be­wegt es, dass ge­ra­de durch die di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men und klei­ne Smart­pho­ne-Dis­plays die gepf­leg­te Dis­kus­si­on oft ei­ner eben­so rei­ße­ri­schen wie ober­fläch­li­chen Mei­nungs­äu­ße­rung weicht - Ge­sch­rei statt Dia­log. Um so bes­ser, dass wir die­sen Weg zum Dis­kurs fin­den.

Zu­min­dest in ei­nem Punkt sind wir nicht so un­ter­schied­li­cher Mei­nung wie es auf den ers­ten Blick scheint:

Es ist im­mer rich­tig, in­ne­zu­hal­ten und nach­zu­den­ken. Da­zu ge­hört zwei­fel­soh­ne auch, das ei­ge­ne Han­deln kri­tisch zu über­den­ken - und nicht nur das der an­de­ren. Und, ja, Du hast Recht: ein Teil un­se­res ma­te­ri­el­len Wohl­stands und un­se­rer Le­bens­art wird lei­der erst da­durch er­mög­licht, dass es spie­gel­bild­lich an­de­ren Men­schen sch­lech­ter geht als uns.

Dies zu än­dern ist si­cher nicht leicht und nur ganz we­ni­ge Men­schen kön­nen sich da­von frei­sp­re­chen, ei­nen Bei­trag zu die­ser Si­tua­ti­on zu leis­ten. Je­der muß sei­ne Schrit­te ge­hen - Dein er­ho­be­ner Zei­ge­fin­ger ist durch­aus an­ge­bracht. Und rich­tig ist zwei­fel­soh­ne auch, dass wir (da­mit mei­ne ich die "west­li­che Welt") je­de Men­ge Leid über die Welt ge­bracht ha­ben und im­mer noch brin­gen - noch­mals ja, das ist sch­lecht und wir müs­sen es bes­ser ma­chen. Dies gibt aber - und ich den­ke auch da stim­men wir übe­r­ein - kei­nem das (mo­ra­li­sche) Recht, mit Ter­ror die Si­tua­ti­on wei­ter zu es­ka­lie­ren.

Wenn ich mich mit Nach­druck da­für aus­sp­re­che, dass wir uns kei­ne Än­de­rung un­se­rer Le­bens­art auf­zwin­gen las­sen, dann mei­ne ich da­mit nicht, dass wir uns mög­lichst rück­sichts­los zum Nach­teil an­de­rer ver­hal­ten soll­ten. Es geht nicht dar­um, starr­sin­nig zü­gel­lo­sen Kon­sum und den Tanz um das gol­de­ne Kalb zu ver­tei­di­gen. Es geht um et­was völ­lig an­de­res. Im Kern geht es mir um un­se­re un­se­re Frei­heit.

Un­ser Grund­ge­setz, auf das wir stolz sein dür­fen, sta­tu­iert als ei­ne we­sent­li­che Grund­la­ge des fried­vol­len men­sch­li­chen Zu­sam­men­le­bens das Ge­walt­mo­no­pol des Staa­tes. Das kann man nicht hoch ge­nug schät­zen. Wer die­se Struk­tur­ent­schei­dung un­se­rer Ge­sell­schaft ver­letzt, in­dem er bru­tals­te Ge­walt zur Durch­set­zung sei­ner Zie­le ein­setzt, der stellt sich au­ßer­halb un­se­rer Ge­mein­schaft und greift uns da­mit al­le an.

Un­ser Ver­fas­sungs-Sys­tem ist gut aus­ba­lan­ciert: Ge­wal­ten­tei­lung, Grund­rech­te wel­che die Frei­heit des Ein­zel­nen ge­währ­leis­ten, ab­ge­si­chert durch ein Ge­walt­mo­no­pol des Staa­tes in ei­ner De­mo­k­ra­tie, in der al­le Staats­ge­walt vom Volk des Staa­tes aus­geht. All dies spie­gelt letzt­lich die Wür­de des Men­schen wi­der - so wie ich sie ver­ste­he.

Wer ein an­de­res Grund­ver­ständ­nis hat und in ei­nem grund­sätz­lich an­de­ren Rechts­sys­tem mit an­de­ren Struk­tu­ren und Wer­ten le­ben möch­te, dem steht es frei, sich ei­nen Platz zu su­chen, an dem die­ses an­de­re Sys­tem be­steht. Hier ist die Wehr­haf­tig­keit un­se­rer De­mo­k­ra­tie ge­fragt.

Ein Blick auf die Ge­walt­ta­ten der jün­ge­ren Zeit zeigt wor­auf ich ab­zie­le. Am ein­deu­tigs­ten ist die Tat aus re­li­giö­ser Ver­b­len­dung, wie in Niz­za, in Pa­ris, bei Würz­burg oder an vie­len an­de­ren Or­ten auf al­len Kon­ti­nen­ten. Sie er­folgt, um An­de­ren ein an­de­res Le­ben auf­zu­zwin­gen. Ein Le­ben nach den Vor­stel­lun­gen des Tä­ters un­ter Mis­sach­tung der Ent­schei­dungs­f­rei­heit und Wür­de des An­de­ren. Das gilt ähn­lich üb­ri­gens oft auch für po­li­tisch ex­t­re­mis­ti­sche Ge­walt. So oder so, dies wä­re ein Le­ben, wel­ches weit von dem ent­fernt ist, was ich möch­te und wo­für mei­ne El­tern und ich darf sa­gen auch mei­ne Gro­ßel­tern ge­kämpft ha­ben.

Las­sen wir zu, dass die­se Men­schen uns da­zu brin­gen, un­se­re Frei­heit auf­zu­ge­ben, weil wir Angst vor At­ten­ta­ten ha­ben und uns ent­sp­re­chend ver­hal­ten, dann ist dies der ers­te Schritt, dass sie sich durch­set­zen und wir un­se­re Frei­heit ver­lie­ren. Aus­ge­las­se­nes Fei­ern, auch mit Al­ko­hol­kon­sum, ist die­sem fa­na­ti­schen Welt­bild eben­so fremd wie un­ver­sch­lei­er­te Frau­en, Selbst­be­stim­mung, Ho­mose­xua­li­tät oder freie Mei­nungs­äu­ße­rung. Ich möch­te in ei­nem Staat le­ben, der die­se und an­de­re Frei­hei­ten schützt, denn nach mei­nem Ver­ständ­nis ist dies und vie­les mehr un­ve­r­äu­ßer­li­cher Be­stand­teil der men­sch­li­chen Wür­de.

Aber auch Tä­ter, die aus dif­fu­sem Men­schen­hass han­deln, wie of­fen­sicht­lich der At­ten­tä­ter in Mün­chen, han­deln ge­gen un­se­re Wer­te und ge­gen die freie Ge­sell­schaft. Und was auch im­mer die Mo­ti­ve des Tä­ters von Ans­bach ge­we­sen sein mö­gen: Der An­griff rich­te­te sich ge­gen un­se­re Frei­heit. Ge­gen die Frei­heit, oh­ne Angst abends aus­zu­ge­hen, sich mit Freun­den zu tref­fen und Mu­sik zu hö­ren. Und er rich­te­te sich ge­gen die Viel­zahl von Men­schen, die in Not zu uns nach Deut­sch­land ge­kom­men sind und de­nen wir Schutz bie­ten. Wer sein Gast­pri­vi­leg, wel­ches un­se­rem Wer­te­sys­tem ent­springt, mißbraucht, der ver­wirkt es - und der hat bei ei­ner dro­hen­den Ab­schie­bung auch ganz be­stimmt nicht das Recht, noch ein­mal zum fi­na­len Schlag aus­zu­ho­len.

Fan­gen wir an, un­se­re Wer­te nicht mehr da­ge­gen zu ver­tei­di­gen, dann be­gin­nen wir zu ver­lie­ren und am En­de mün­det dies in ei­ne Ge­sell­schaft im Sch­re­cken, oh­ne Si­cher­heit - un­f­rei.

Die Men­schen, die ges­tern in Ans­bach im Bier­gar­ten sa­ßen oder die bei Würz­burg den Nah­ver­kehrs­zug be­nutzt ha­ben, sie wa­ren nicht we­gen ei­ner et­wai­gen Aus­beu­tung an­de­rer Ziel ei­nes per­fi­den An­griffs. Und auch in Mün­chen er­folg­te die Tat zwar in der Nähe ei­nes Ein­kaufs­cen­ters. Aber sie rich­te­te sich nicht ge­gen zü­gel­lo­sen Kon­sum. Al­le Tä­ter der letz­ten Ta­ge leb­ten schon Jah­re in Deut­sch­land, in ei­nem Land und in ei­ner Si­tua­ti­on, in der sie von den ne­ga­ti­ven Fol­gen der Glo­ba­li­sie­rung nicht ernst­haft be­trof­fen sind son­dern in dem Sie Zu­flucht ge­sucht und ge­fun­den ha­ben. Sie ha­ben un­se­re Frei­heits­rech­te nicht ge­nutzt, um sich für ih­re "Wer­te" fried­lich ein­zu­set­zen und an­de­re ar­gu­men­ta­tiv zu über­zeu­gen. Sie ha­be "ihr Recht" über das der An­de­ren und der Ge­mein­schaft ge­setzt.

Mein "Not afraid" ist nach al­le­dem al­so das Ge­gen­teil von Ge­fühls­kalt. Es ist ein lei­den­schaft­li­ches Pläd­o­y­er für un­se­re Rechts­ord­nung, für ei­nen li­be­ra­len Staat, für Men­schen­wür­de und für Frei­heit. Da­mit ist es ge­nau das, was Du zu Recht ein­for­derst: klar Po­si­ti­on be­zie­hen, wer­te­ba­siert zu han­deln und aso­zia­les Ver­hal­ten zu­rück­wei­sen. Denn es kann kein Zwei­fel da­ran be­ste­hen, dass es aso­zial ist, sei­ne ei­ge­nen kru­den Mo­ti­ve über das Le­ben an­de­rer zu stel­len.

Und so­mit, lie­ber Sven, blei­be ich in die­sem Sin­ne bei mei­nem NOT AFRAID, zu­ge­ge­ben trot­zig, aber si­cher nicht un­re­f­lek­tiert.

Mit bes­ten Grü­ß­en

Jörg Eh­mer
www.eh­mers-blog.de

Kom­men­tar von Sven Ste­phan | 26.07.2016

Lie­ber Jörg, vor­ab - zur Ein­ord­nung. Mein Bei­trag hat­te sich nicht auf Dich per­sön­lich be­zo­gen, son­dern nur auf „Not afrai­d“. Ich wür­de nie auf die Idee kom­men, Dir „Ge­fühls­käl­te“ und „un­re­f­lek­tier­tes Ver­hal­ten“ vor­zu­wer­fen. Ich sch­lie­ße mich Dei­nem Pläd­o­y­er für „un­se­re Rechts­ord­nung, ei­nen li­be­ra­len Staat, für Men­schen­wür­de und für Frei­heit“ voll und ganz an. Ich ha­be aber, im Ge­gen­satz zu Dir, gro­ße Angst vor ei­nem zu­neh­men­de Ter­ror, ei­ner zu­neh­men­den Ag­gres­si­vi­tät in un­se­rer Ge­sell­schaft und ei­ner Po­li­tik, die of­fen­sicht­lich kei­ne Ant­wor­ten dar­auf fin­det.

Du sch­reibst mit Recht: „Fan­gen wir an, un­se­re Wer­te nicht mehr da­ge­gen zu ver­tei­di­gen, dann be­gin­nen wir zu ver­lie­ren und am En­de mün­det dies in ei­ne Ge­sell­schaft im Sch­re­cken, oh­ne Si­cher­heit - un­f­rei.“

Ich zu­min­dest den­ke, wir ha­ben schon seit lan­gem da­mit an­ge­fan­gen, un­se­re ei­ge­nen Wer­te nicht mehr wir­k­lich ernst zu neh­men. wir ha­ben es ver­passt, auch neue Wer­te, Stand- und mög­li­che Ori­en­tie­rungs­punk­te inn­er­halb ei­ner glo­ba­li­sier­ten Welt zu de­fi­nie­ren und die­se hoch­zu­hal­ten.

Mei­nes Er­ach­tens ste­cken wir längst schon mit­ten drin in ei­nem ernst­haf­ten Di­lem­ma und in ei­nem sich ex­t­rem be­sch­leu­ni­gen­den Pro­zess, der am En­de in ei­ner zu­neh­men­den Un­f­rei­heit des Ein­zel­nen mün­den und das En­de der De­mo­k­ra­tie, wie wir Sie kann­ten, zur Fol­ge ha­ben kann.

Ich möch­te an die­ser Stel­le auf ei­nen sehr be­ein­dru­cken­den Kom­men­tar vom 25.07.2016 in den ta­ge­steh­men, von And­reas Bach­mann, ver­wei­sen: https://www.ta­ges­schau.de/multi­me­dia/vi­deo/vi­deo-202661.html

Was die Tä­ter zu Ih­ren tot- und leid­brin­gen­den Hand­lun­gen ver­an­lasst, ist mit Si­cher­heit für uns al­le schwer zu ver­ste­hen und ein­zu­ord­nen. Aber ich ver­mu­te den­noch, dass vie­le der jun­gen Men­schen, die sich den Zie­len des IS an­sch­lie­ßen, dies durch­aus auch des­halb tun, weil Sie sich zu­tiefst fru­s­triert von ei­ner ka­pi­ta­lis­ti­schen west­li­chen Wel­t­ord­nung zu­rück­zie­hen und ab­wen­den, die ih­nen kei­ne Idea­le mehr ver­mit­teln kann und, die im sch­limms­ten Fall, in ih­ren Län­dern eben­falls für Ver­wüs­tung und men­sch­li­ches Leid ver­ant­wort­lich ist.

Ge­ra­de jun­ge Men­schen ha­ben doch ein ex­t­rem star­kes mo­ra­li­sches Emp­fin­den und kom­men mit der Dop­pel­mo­ral, die ich ja schon an­ge­führt hat­te, nicht klar. Wer weiß, in ei­ner an­de­ren Zeit wä­ren Sie vi­el­leicht RAF-Ter­r­o­ris­ten ge­wor­den und heu­te sch­lie­ßen Sie sich ei­ner un­hei­li­gen Ban­de von Ver­b­re­chern an, die ih­nen mit ei­ner per­fi­den Pro­pa­gan­da tag­täg­lich vor Au­gen hält, wie ver­kom­men, ver­wer­f­lich und un­mo­ra­lisch der Wes­ten doch ist.

So rich­ten sich mei­nes Er­ach­tens vie­le die­ser Ta­ten schon auch ge­gen das wo­für un­se­re De­mo­k­ra­tie, un­ser Eu­ro­pa und un­se­re Art zu le­ben und das Le­ben zu fei­ern, eben auch ste­hen: Für ein bil­li­gen­des Schwei­gen, das Weg- und das Zu­schau­en und das Zu­las­sen von Un­ter­drü­ckung, Ge­walt, Mord und Tot­schlag ge­gen­über ei­ner Zi­vil­be­völ­ke­rung, so­lan­ge es nur da­zu di­ent, un­se­re geo­po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen durch­zu­set­zen.

Und so rich­tet sich die­ser Ter­ror vi­el­leicht ja doch ge­gen das was vie­le jun­ge Men­schen aus dem ei­ge­nen wie auch frem­den Kul­tur­kreis, zu­neh­mend ver­ach­ten - ei­ne maß­lo­se Aus­beu­tung und Kon­su­mo­ri­en­tie­rung und viel wert­lo­ses Ge­schwätz.

Ich kann das nur un­ter­st­rei­chen was Du sch­reibst: „Wer ein an­de­res Grund­ver­ständ­nis hat und in ei­nem grund­sätz­lich an­de­ren Rechts­sys­tem mit an­de­ren Struk­tu­ren und Wer­ten le­ben möch­te, dem steht es frei, sich ei­nen Platz zu su­chen, an dem die­ses an­de­re Sys­tem be­steht. Hier ist die Wehr­haf­tig­keit un­se­rer De­mo­k­ra­tie ge­fragt.“

Der Be­griff der wehr­haf­ten De­mo­k­ra­tie ist ein wun­der­ba­rer. Da­zu ha­be ich be­reits am 16.11.2015 fol­gen­des ge­schrie­ben: http://www.sven­ste­phan.com/blog­bei­trag/items/nai­ve-ge­dan­ken-ei­nes-wehr­lo­sen-de­mo­k­ra­ten-ue­ber-die-ter­r­o­ris­ti­sche-ge­walt-von-fun­da­men­ta­lis­ten.html

Ich hof­fe ich ir­re mich - aber ich ha­be das Ge­fühl, daß un­se­re po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Eli­ten al­les an­de­re sind als wehr­haf­te De­mo­k­ra­ten. Sie ge­hen mei­nes Er­ach­tens leicht­fer­tig mit dem Er­be ei­ner Ge­ne­ra­ti­on um, die sich auf­op­fernd für ein fried­li­ches und ein­heit­li­ches Deut­sch­land und Eu­ro­pa ein­ge­setzt ha­ben.

Sie for­mu­lie­ren kei­ne gro­ßen po­li­ti­schen Ide­en und Vi­sio­nen mehr, ge­schwei­ge denn ver­kör­pern sie ei­ne ge­wis­se In­te­gri­tät und auf­rech­te, kämp­fe­ri­sche Hal­tung für, ei­ne frei­heit­li­che Ge­sell­schaft.

Sie ei­ern her­um, über­häu­fen uns mit Plat­ti­tü­den und wir­ken kon­zept­los und ge­ben so­mit au­to­ma­tisch den un­ter­schied­lichs­ten an­ti­de­mo­k­ra­ti­schen Kräf­ten zu­neh­mend mehr Hand­lungs- und Ge­stal­tungs­raum. Das ist bit­ter und wie ge­sagt - es macht mir Angst.