14.08.2015 von Sven Ste­phan

"Ich traue den Deut­schen nicht". Oder jetzt sind wir schon mal 3.

Ich er­in­ne­re mich lei­der nicht mehr ge­nau. Es war schon vor län­ge­rer Zeit. Ein lang­wei­li­ger Abend. Ich lag mü­de auf mei­nem So­fa und klick­te noch ein we­nig durch die TV-Ka­nä­le. Dann blieb ich an ei­ner Talk­show hän­gen.


Es ging mal wie­der um die­se Drecks-Na­zis der Hitl­er­zeit und es ging of­fen­sicht­lich um die Op­fer und das The­ma Ver­ge­bung. Und da saß ei­ne äl­te­re Da­me, de­ren Fa­mi­lie - wenn ich mich rich­tig er­in­ne­re - im Ho­lo­caust zum Groß­teil von die­sen wi­der­wär­ti­gen Mör­der­ban­den und Bar­ba­ren er­mor­det wur­de.

Die­se Da­me woll­te und konn­te nicht ver­ge­ben und sich ir­gend­wie ver­söhn­lich zei­gen und das ge­fiel mir doch recht gut. Ich nick­te im­mer­zu, wenn sie sprach und fühl­te wie­der die­se zi­el­lo­se Wut in mir auf­s­tei­gen und die­sen tie­fen in­ner­li­chen Wunsch, das Massa­ker an den füh­r­en­den Na­zi­grö­ß­en in „Ing­lou­rious Bas­terds“ wä­re doch kei­ne Fik­ti­on ge­we­sen und auch ich hät­te sie al­le mit nie­der ge­bal­lert....

Und dann schoss er plötz­lich aus dem Bild­schirm auf mich zu. Die­ser Satz, mit 5 kur­zen Wör­t­ern, 5 Pi­s­to­len­ku­geln gleich, di­rekt in mein Hirn, Zisch, Zasch, Bäng, Bum und Wow. Voll­tref­fer.

„Ich traue den Deut­schen nicht!“ .....Pau­se. Ich muss­te erst­mal Luft ho­len und Hirn­mas­se sam­meln. Mit ei­nem Ma­le war ich hell­wach und das Ad­re­na­lin schoss durch mei­nen Kör­per. Das war der Satz, nach­dem ich schon so lan­ge such­te, ihn aber nie in die­ser Kür­ze und Klar­heit for­mu­lie­ren konn­te. Wie ein­fach doch. 

„Ich traue den Deut­schen nicht.“

So wun­der­bar all­ge­mein, so herr­lich un­ver­bind­lich und doch so mes­ser­scharf kon­k­ret, un­nach­gie­big, un­ver­söhn­lich an­kla­gend und for­dernd, dass man ihn schon auf der nächs­ten Par­ty, mal eben so, wenn´s mal wie­der um Aus­län­der geht, ins Ge­spräch wer­fen, nein ste­cken oder bes­ser noch sto­ßen konn­te.

„Ich traue den Deut­schen nich­t“. Nun ka­pier­te ich auch so lang­sam, dass es in der Talk­show wohl schon län­ger um das The­ma der Ent­na­zi­fi­zie­rung ging. Um die, die man ver­pass­te. Um die Nürn­ber­ger "Show"-Pro­zes­se der Amis und dar­um, dass die Sie­ger­mäch­te Hun­der­tau­sen­de wenn nicht so­gar Mil­lio­nen von deut­schen Tä­t­ern ein­fach so aus der Ge­schich­te und ih­rer Ver­ant­wor­tung in die Zu­kunft ent­lie­ßen.

Je­der kennt die­se Sät­ze und ähn­li­che Ge­dan­ken wie die­sen. „Man muss doch auch mal ei­nen Schluss­s­trich zie­hen“

No and ne­ver! Un­ter die­sen wi­der­wär­ti­gen Drecks-Ta­ten kann man kei­nen Schluss­s­trich zie­hen.

Das geht sch­licht­weg nicht. Das wi­der­spricht al­lein schon der mo­ra­li­schen Erdan­zie­hungs­kraft, die es durch­aus gibt. Der Schluss­s­trich könn­te noch so dick ge­s­tri­chen, zu­ge­mau­ert, vershweißt und ver­sie­gelt wer­den - aber es quil­len im­mer wie­der die Ge­där­me und an­de­re In­ne­rei­en dar­un­ter her­vor, es si­ckert das Blut und strömt der Lei­chen­ge­ruch hin­durch. Man hört die Sch­reie. Das Wei­nen der Müt­ter und ih­rer Kin­der. Das Fle­hen der Men­schen, um ihr Le­ben und dar­um, dass sie wei­ter at­men dür­fen, ein­fach nur das Haar ih­re Kin­der st­rei­cheln, sie im Na­cken und auf den Wan­gen lieb­ko­sen oder mun­ter er­mah­nen dür­fen, dass sie noch ein­mal ih­re Frau­en, Vä­ter und Müt­ter küs­sen und um­ar­men kön­nen und noch ein we­nig im Licht der Welt ste­hen dür­fen, dass sie einst so ver­hei­ßunsg­voll emp­fan­gen hat...hörst nicht auch Du ihr herz­ze­rei­ßen­des Fle­hen nach Gna­de, nach dem letz­ten Fünk­chen Men­sch­lich­keit?

Nein. „Ich traue den Deut­schen nicht!“

Vor we­ni­gen Ta­gen kam mir der Ge­dan­ke, die­sen Satz doch ein­mal ge­n­au­so bei Goog­le ein­zu­ge­ben? Und Voll­tref­fer. Nicht et­wa, weil mich die Su­che zu die­ser Talk­show führ­te (das tat sie lei­der nicht), aber im­mer­hin zu die­sem Blo­gein­trag aus 2011.

So ak­tu­ell wie nie und mit ei­ner in­ter­es­san­ten Schlag­zei­le.

„Ich traue den Deut­schen nicht wir­k­li­ch“. So, so - jetzt sind wir al­so schon mal 3.

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