05.07.2013 von Sven Ste­phan

"Ich ha­be ja nix zu ver­ber­gen" be­schwor der Un­ter­tan sei­nen Un­ter­gang


"Ich ha­be ja nichts zu ver­ber­gen!" Oh, Mann. Kein Satz regt mich ak­tu­ell der­art auf wie die­ser. Da spricht doch mal wie­der der ta­del- und hirn­lo­se, schein­bar ge­ne­tisch be­ding­te deutsch­blö­de Un­ter­tan. Wer so was sagt, dem wün­sche ich die promp­te Ver­öf­f­ent­li­chung sei­ner ge­sam­ten pri­va­ten und be­ruf­li­chen Da­ten in sei­ner Nach­bar­schaft und an ei­ner mög­lichst pro­mi­nen­ten Stel­le in der Ge­mein­de in der er lebt! 

Denn ko­mi­scher­wei­se ist es doch ge­nau der glei­che Dumm-Dö­sel, der sich be­stimmt nicht dar­über freu­en wür­de, wenn sein Nach­bar ganz ge­nau wüss­te, wie viel Geld er ei­gent­lich auf der ho­hen Kan­te oder wie viel Schul­den er ge­ra­de bei wel­chen Ban­ken ganz ge­nau hat, wie sei­ne Steue­r­er­klär­un­gen im De­tail so aus­se­hen, wel­che Krank­hei­ten ihn und sei­ne Fa­mi­lie pla­gen, wie sei­ne jüngs­ten Le­ber­wer­te aus­fie­len, ob er schon mal ei­ne Ge­sch­lechts­krank­heit oder ein­fach nur ei­nen üb­len Pilz an sen­si­b­ler Stel­le hat­te, wel­che po­ten­ti­el­len Gen­de­fek­te in ihm schlum­mern und wel­che Erb­krank­hei­ten bei ihm aus­b­re­chen könn­ten, über wel­ches Ein­kom­men er ei­gent­lich kon­k­ret ver­fügt, wie es um sei­ne be­ruf­li­che Kar­rie­re wir­k­lich so steht, mit wem er sich vi­el­leicht mal ei­nen klei­nen Sei­ten­sprung ge­leis­tet hat­te, was so sei­ne per­sön­li­chen Schwächen sind, was er im In­ter­net al­les so anklickt auch rein ver­se­hent­lich, wel­che TV-Sen­dun­gen, Vi­de­os etc. er wie oft und wie lan­ge sieht, wel­che Par­tei er denn wählt, über wel­che Ju­gend­sün­den er sich vi­el­leicht noch heu­te schämt, wie vie­le Ord­nungs­wid­rig­kei­ten er wo­für be­reits an­ge­sam­melt hat, wie­so er schon mal beim Idio­ten-Test war und dort durch­ge­fal­len ist, wann und wo­er mei­nem Au­to her­um­ge­fah­ren ist, mit wem er sich wann über was auch im­mer te­le­fo­nisch aus­ge­tauscht hat und wo er tag­täg­lich so her­um­läuft..und so vie­les mehr.

Wer so et­was sagt, dem wird es in der Re­gel nicht ge­fal­len, wenn ich ein­fach an sei­nen Brief­kas­ten ge­he, die­sen auf­b­re­che und sei­ne Post her­aus­neh­me und le­se. Dem wird es nicht egal sein, wenn ich mich in sei­ner Woh­nung in sein Ar­beits­zim­mer set­ze und in sei­nen Ord­nern her­um­wüh­le, sei­ne Kon­to­aus­zü­ge stu­die­re, sei­nen Rech­ner an­ma­che und sei­ne E-Mails le­se...

"Ich ha­be ja nichts zu ver­ber­gen." Es kann doch nicht wir­k­lich sein, das ein halb­wegs in­tel­li­gen­ter Mensch sei­nen per­sön­li­chen Fa­ta­lis­mus mit so ei­nem blöd­sin­ni­gen Sta­te­ment recht­fer­tigt.

In letz­ter Kon­sez­qu­enz geht es doch - rein prin­zi­pi­ell - auch dar­um, dass ich selbst ein Recht dar­auf ha­be, dass mei­ne fa­ce­book Nach­rich­ten z.B. nur die­je­ni­gen er­reicht für die sie be­stimmt sind. Oder steht bei fa­ce­book ir­gend­wo im Klein­ge­druck­ten: „Je­der ih­rer Nach­rich­ten wird an die Ge­heim­di­ens­te wei­ter­ge­lei­tet bzw, mit un­se­rem Wis­sen, die­sen je­der­zeit zum Ab­ruf zur Ver­fü­gung ge­s­tellt.“ 

Auch wenn ich weiss, dass mei­ne E-Mail ei­ner Post­kar­te gleicht, kann es doch nicht au­to­ma­tisch egal sein, dass sie von an­de­ren ein­fach so ge­le­sen "wer­den darf". Ganz im Ge­gen­teil - um so mehr müss­te ich dch ein­for­dern, dass der­je­ni­ge der die­se Nach­rich­ten ein­fach liest ers­tens iden­ti­fi­ziert und da­für be­straft wer­den kann. Post­ge­heim­nis? Hal­lo?!

Die­se wi­der­li­che im­mer mehr um sich grei­fen­de Schnüf­fe­lei (lei­der auch von all den So­zis und den Grü­nen, die sich ge­ra­de auf­re­gen im an­geb­li­chen Staats­in­ter­es­se im­mer wie­der mal ger­ne er­wünscht) er­in­nert mich an ein Krebs­ge­schwür, dass man ganz sch­nell ent­fer­nen soll­te, be­vor es den gan­zen Kör­per be­fällt. Ja es ist wie ein le­bens­be­droh­li­cher Vi­rus, den es rasch zu son­die­ren und zu be­kämp­fen gilt.

Mei­nes Er­ach­ten hat schon lan­ge nicht mehr so gut die­ser recht ab­ge­grif­fe­ne Spruch ge­passt: „Weh­ret den An­fän­gen....“, der im üb­ri­gen wie folgt rich­tig lau­tet: „Prin­ci­pi­is obs­ta, se­ro me­di­ci­na pa­ra­tur“...was sich im Sinn et­wa wie folgt über­set­zen lässt, dass man den An­fän­gen ent­schie­den ent­ge­gen tre­ten soll­te, weil das Heil­mit­tel sonst viel zu spät kommt."

Es sch­int recht bit­ter um un­se­re Frei­heit be­s­tellt - be­son­ders an­ge­sichts die­ser Mas­se an Un­terta­nen, de­nen nichts an­de­res ein­fällt als: "Ich hab ja nichts zu ver­ber­gen." Ein Schan­de. Sor­ry aber - "Pfui"! 

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