21.11.2016 von Sven Ste­phan

Aus dem Ta­ge­buch ei­nes wer­den­den Po­pu­lis­ten

Ein­trag vom 21.11.2016 - Bin ich noch zu ret­ten?

Der Po­pu­lis­mus steht ge­ra­de hoch im Kurs und al­le be­t­rei­ben nun flei­ßig Ur­sa­chen­for­schung. Ob an­ge­se­he­ne Jour­na­lis­ten, füh­r­en­de Po­li­ti­ker, er­fah­re­ne aus­lands­po­li­ti­sche und in­nen­po­li­ti­sche Ex­per­ten aus den Me­di­en-, Po­li­tik- und Geis­tes­wis­sen­schaf­ten, Mei­nungs- und Trend­for­scher, Phi­lo­so­phen und selbst der Papst und auch Herr Lanz mit sei­nen Gäs­ten ge­hö­ren da­zu. Da darf ich auf kei­nen Fall feh­len! 

Aus die­sem Grund ha­be mich ent­sch­los­sen, nun mein „Ta­ge­buch ei­nes an­ge­hen­den  Po­pu­lis­ten“ zu sch­rei­ben. Öf­f­ent­lich. Für je­den sicht­bar und nach­les­bar. Mit der Bit­te an al­le auf­rech­ten De­mo­k­ra­ten, mir zu hel­fen und mich vor mei­ner Selbst­fin­dung als Links- oder Rechts-Po­pu­list zu be­wah­ren.

Lie­bes Ta­ge­buch ei­nes wer­den­den Po­pu­lis­ten, 

ich ha­be ges­tern ei­ne zu­fäl­li­ge Be­o­b­ach­tung beim Zap­pen ge­macht. Vor lau­fen­der Ka­me­ra wur­de die SPD Mi­nis­te­rin Frau Schwe­sig ge­fragt: „Wen wür­den Sie als Kanz­ler­kan­di­dat der SPD be­vor­zu­gen?“ Die Ant­wort klang in et­wa so: „Es steht der­zeit nicht an, sich dar­über Ge­dan­ken zu ma­chen, denn wir ha­ben noch so viel Ar­beit in der der­zei­ti­gen Le­gis­la­tur­pe­rio­de und im Ka­bi­nett  zu er­le­di­gen.“ Die Mi­nis­te­rin wird noch­mal ge­fragt und win­det sich wei­ter­hin an ei­ner Ant­wort vor­bei.

Mein lie­bes Ta­ge­buch, das macht mich doch sehr wü­tend. Ist es nicht ein gu­tes Bei­spiel für die­se po­li­ti­sche Angst­ha­sen- und Fähn­lein-nach-dem-Win­de-Kul­tur? Ist es nicht ge­nau das, was wir als Po­li­tik­in­ter­es­sier­te und als po­ten­ti­el­le Wäh­ler nicht mehr hö­ren und er­tra­gen kön­nen?

Wie­so kann Frau Schwe­sig nicht ein­fach sa­gen, ja der Herr Ga­bri­el ist schon ein su­per Typ und wür­de er es wol­len, dann wä­re das völ­lig ok für mich. Und klar doch, den Herrn Schulz fän­de ich vi­el­leicht noch ein we­nig bes­ser und am bes­ten wä­re ich na­tür­lich für das Amt ge­eig­net. Warum kön­nen Po­li­ti­ker nicht ein­fach mal sa­gen, was sie den­ken und füh­len, wenn es um die Zu­kunft, der ei­ge­nen Par­tei geht und um das ei­ge­ne, ge­wünsch­te Füh­rungs­per­so­nal.  

Das kann doch nur da­ran lie­gen, daß er und sie dann be­fürch­ten müs­sen, nicht mehr im neu­en Ka­bi­nett zu sit­zen, falls der ei­ge­ne Wunsch­kan­di­dat, den man öf­f­ent­lich un­ter­stütz hat, lei­der nicht der rich­ti­ge ist. Wer aber in der ei­ge­nen Par­tei schon so we­nig De­mo­k­ra­tie zu­lässt und der­art un­cool und un­si­cher auf ei­ne ein­fa­che Fra­ge zu der ei­ge­nen in­ner­par­tei­li­chen po­li­ti­schen Po­si­ti­on ant­wor­tet, der muss sich nicht wun­dern, wenn Wäh­ler so lang­sam von die­ser weich ge­spül­ten Po­li­tik end­gül­tig die Schn­au­ze voll ha­ben...so wie ich.  

 

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