08.02.2011 von Sven Ste­phan

„Le­na zen­siert. Un­ser Song für Deut­sch­land.“

Ges­tern hat­te ich mir doch tat­säch­lich die Fort­set­zung von DSDSLS (Deut­sch­land such den Su­per Le­na Song) an­ge­schaut. Er­neut frag­te ich mich, ob ich hier nun Zu­schau­er ei­ner un­f­rei­wil­lig fehl­ge­schla­ge­nen Un­ter­hal­tungs­sen­dung war oder Teil­neh­mer an ei­ner fehl­ge­lei­te­ten PRO7 Kul­tur­sen­dung, die im se­riö­sen Te­le­kol­leg-Stil ei­nen Bei­trag zur neu­deut­schen Mu­sik­er­zie­hung leis­ten woll­te. Die an­we­sen­den Kri­ti­ker in der Ju­ro­ren-Ecke wie auch die Mo­de­ra­to­ren mach­ten auf mich den Ein­druck, als wüss­ten sie es selbst nicht. Wo sie wa­ren! „Schlag die Kom­po­nis­ten“ vi­el­leicht? Ge­die­gen lang­weil­ten Sie sich auf ih­ren Stüh­len in ei­ner ähn­li­chen Er­war­tungs­hal­tung, wie man sie nor­ma­ler­wei­se bei klein­kind­li­chen Ab­ge­sän­gen von Weih­nachts­lie­dern hat. Wür­de Le­na nun gleich mit ih­rer Block­flö­te die Büh­ne be­t­re­ten? Lei­der nicht. Statt­des­sen kämpf­ten die Ju­ro­ren, of­fen und scho­nungs­los nach Ih­rer Mei­nung ge­fragt, mit den Wor­ten als müss­ten sie oh­ne Ad­jek­ti­ve und Vo­ka­le ein Bild von Gu­s­tav Klimt be­sch­rei­ben. Und den­noch spra­chen Sie halb­wegs ver­ständ­lich ir­gend­wann über das was sie so fühl­ten und so sa­hen, nicht et­wa hör­ten: “Al­so ich fin­de ja...und Le­na war so sexy, so frau­lich, so frisch und so ele­gant...“ Ok. Ver­stan­den. Hier und heu­te ging es nur um Le­na...und um Ste­fan Ra­ab na­tür­lich, der sich am Ran­de ge­schickt als be­fan­gen be­zeich­ne­tet und da­mit er­neut sein ei­ge­nes Werk pro­mo­te­te. Den­noch, wir wol­len fair blei­ben. Ge­le­gent­lich war dann doch noch mu­si­ka­li­scher Sach­ver­stand zu ver­neh­men. „Die Ran­ge der In­stru­men­te ist un­ge­wöhn­li­ch“. Wow. Nur lei­der wur­de dies al­les dann auch sehr sach­ver­ständ­lich vor­ge­tra­gen. Nüch­t­ern, ernst, manch­mal et­was über­zo­gen kri­tisch vi­el­leicht. Auf je­den Fall großz­ü­g­ig hu­mor­los voll auf die Fres­se.  Das war der Mo­ment wo ich mir - ich ge­be es zu - ganz spon­tan die nai­ve Mo­de­ra­to­ren-Kunst ei­nes Oli­ver Gei­ßen her­bei­wünsch­te. Der kind­li­che lo­cke­re Strich ei­nes meis­ter­haf­ten Ein­fall­s­pin­sel hät­te die­ser Sen­dung glau­be ich ganz gut ge­tan. Da­für gab das be­harr­lich tris­te Mo­de­ra­to­ren-Duo dem Gan­zen ei­ne ex­pres­sio­nis­ti­sche, No­te. Als wä­ren sie ge­ra­de von Bernd Eichin­gers Be­er­di­gung ge­kom­men und hät­ten den dort ge­spiel­ten Trau­er­song „Let it be“ zu sehr ver­in­ner­licht und mit Bla­cky Fuchs­ber­ger über das Ster­ben vor dem Tod phi­lo­so­phiert, wuss­te man nicht ge­nau, wer oder was die bei­den am ges­t­ri­gen Abend wohl am meis­ten lang­weil­te: Le­na vi­el­leicht, ih­re ei­ge­ne Fra­gen, die An­we­sen­heit der Ju­ro­ren, das Pu­b­li­kum oder wa­ren es die Ka­bel­trä­ger? Auf je­den Fall herrsch­te ei­ne ge­wis­se grund­me­dia­le Öd­nis, wie sie nor­ma­ler­wei­se bei Bands nach der drit­ten Welt­tournee auf­kommt oder bei ner­ven­den Te­e­na­gern am 3 Tag auf Klas­sen­fahrt.  „Aus­ge­check­te Cho­reo“ hör­te ich dann ir­gend­wann noch kurz vor Sen­dungs­schluss. Ja das konn­te man wohl sa­gen. Gleich bei „A Mil­li­on and One“ sah ich im Hin­ter­grund ein ta­b­let­ten­süch­ti­ges Bal­lett-En­sem­b­le auf Ent­zug ei­ne freie In­ter­pre­ta­ti­on des „Schwa­nen­sees im LSD Rau­sch“ hüpf­ten. Wäh­rend bei „Ma­ma told me“ trau­ma­ti­sier­te Spie­ler der Pitts­burgh Ste­e­lers die Büh­ne stör­ten, die schein­bar nach ih­rer Su­per Bowl Nie­der­la­ge zur Stra­fe in Frau­en­kla­mot­ten nach Deut­sch­land in den Fa­sching ge­schickt wur­den. Ach ja - und dann war da noch Le­na, die halt sang. Und das Pu­b­li­kum, das halt ap­plau­dier­te. Und die Zu­schau­er, die halt wähl­ten. Und die Wer­bung, die halt lief...mit Le­na und ei­nem gar nicht mal so­ooo sch­lech­ten Song. Der Wer­bung sei Dank.

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