10.11.2010 von Sven Ste­phan

Fe­mi­nis­mus? Das gab´s doch mal in „die DDR“ - oder?

Auf­stand am Frau­en­stamm­tisch. Oder Kla­ge über ei­nen Mut­ter­mord. FAZ. Spie­gel. Die Zeit usw. be­rich­ten...

Stopp mal. Ich den­ke ich bin wie vie­le mei­ner Zeit­ge­nos­sen ein auf­ge­klär­ter Mann, der die his­to­ri­schen Leis­tun­gen des  Fe­mi­nis­mus und sei­ne eman­zi­pa­to­ri­schen Er­run­gen­schaf­ten aus heu­ti­ger Sicht nicht nur wür­digt, son­dern ver­dammt noch­mal echt ok fin­det.

Mit star­ken Frau­en kom­me ich gut aus und Mä­d­els im Chef-Ses­sel fin­de ich so­gar echt sexy -  so­lan­ge sie nicht wie Ali­ce Schwar­zer aus­se­hen. Mag sein, dass die­se flap­si­ge Aus­sa­ge für die ei­ne oder an­de­re Le­se­rin nicht ganz so sau­ber for­mu­liert ist. Aber mei­ne Da­men und Her­ren, was ist dies Äu­erßr­ung schon bit­te ge­gen „die­ses blon­de, sünd­haft sü­ße, schnu­cke­li­ge DSL Ita­lo-Weib­chen im ro­ten Teu­fels-Kleid­chen und dem ein­deu­ti­gen Slo­gan “A­li­ce komm­t“?

Echt? Wann?  Auch bei mir?

Sex sells. So­gar mit Aice. Al­so - lie­be Da­men und Frau­en, ar­bei­ten sie sich bit­te erst ein­mal an die­sem ural­ten Wer­be-Af­front gründ­lich ab und dann geht es bei mir wei­ter. Über ei­nen Brief an mich per BILD-Zei­tung wür­de ich mich üb­ri­gens sehr freu­en. So ne PR ist doch un­be­zahl­bar.

Und den­noch - ich mei­ne das al­les ja gar nicht so ver­let­zend wie es vi­el­leicht klin­gen mag. Ich for­de­re nur mein Recht auf ero­ti­sche Mei­nungs­f­rei­heit und ge­ste­he je­der Le­se­rin zu, sich ähn­lich deut­lich über mei­ne Qua­li­tä­ten be­züg­lich Sex­ap­peal zu äu­ßern. Nur zu.

Was soll es auch? Was ha­be ich denn zu ver­lie­ren? Da ich doch längst weiß, dass die „stärks­te Frau mei­ner wil­des­ten Träu­me“ nicht nur glei­ches, son­dern viel sch­lim­me­res über mich den­ken und die­ses so­gar vor lau­fen­der Ka­me­ra in al­ler Deut­lich­keit der Welt mit­tei­len wür­de. Und zwar der gan­zen: „Sven?" (Mü­des Ab­win­ken. Ve­r­ächt­li­ches Lächeln.) "Ohhhh myyyy god!!! I don´t call him Sven?! I call him Schnit­zel“.

Ich re­de - durch­aus ei­nem ge­wis­sen Main­st­ream-Ge­sch­mack fol­gend - von mei­ner per­sön­li­chen Po­wer-Göt­tin „An­ge­li­na Jo­lie“, für die ich so­fort ei­ne Mil­lio­nen Eu­ro hin blät­tern wür­de, dürf­te ich nur ei­ne Nacht mit ihr al­lei­ne im Ki­no­saal ver­brin­gen, "Früh­s­tück bei Tif­fa­ny" glot­zen und mei­ne Trä­nen an ih­rer Un­ter­wä­sche trock­nen. Völ­lig sinn­lo­ses Un­ter­fan­gen, da ich ers­tens kei­ne Mil­lio­nen ha­be, zwei­tens sich Brad Pitt über ein der­art un­mo­ra­li­sches An­ge­bot nur schlapp und weg la­chen wür­de (was zu­min­dest mal tak­tisch ge­se­hen recht hil­f­reich wä­re) und drit­tens An­ge­li­na auch für 10 Mil­lio­nen Eu­ro nie und nie­mals mit mir ne Tü­te Pop­corn tei­len wür­de - egal ob süss oder sal­zig - ge­schwei­ge denn Schul­ter an Schul­ter im glei­chen Raum.

Ich mer­ke schon, ich ver­ren­ne mich bei die­sem The­ma recht sch­nell in schwer nach­voll­zieh­ba­ren Ge­dan­ken­gän­gen und un­ter­lau­fe der Ge­fahr un­ge­wollt miss­ver­stan­den zu wer­den - ob­wohl ich ei­gent­lich nur sa­gen woll­te, dass ich star­ke Frau­en äu­ßerst schät­ze, wenn nicht so­gar schwer läs­sig fin­de.

Da­bei wür­de ich na­tür­lich nie so weit ge­hen, wie manch ei­ner mei­ner Freun­de, die schon vor Jah­ren laut und öf­f­ent­lich da­von träum­ten, an­s­tel­le von Mi­cha­el Dou­glas in „Dis­c­lo­su­re“ von De­mi Moo­re se­xu­ell be­drängt zu wer­den. Und zwar nicht nur ein­mal, son­dern täg­lich. „Was ein Dep­p“, läs­t­er­ten sie da­mals, „Ich hät­te mich doch je­der­zeit von der Al­ten v....ver­füh­ren las­sen“. „Mensch, so was kanns­te doch spä­ter lo­cker da­mit er­klä­ren, dass sei halt ein­fach Dein per­sön­li­cher Bei­trag zur Gleich­be­rech­ti­gung der Frau am Ar­beits­platz ge­we­sen“. Man­che Äu­ße­run­gen gin­gen so­gar so­weit, dass sie in der ra­di­ka­len Ver­wei­ge­rungs­hal­tung von Mi­cha­el Dou­glas im Grun­de ei­nen ty­pisch chau­vi­nis­ti­schen und ex­t­rem frau­en­feind­li­che Zug sa­hen. „Das bis­schen Gr­ab­schen sei doch ei­ner Frau auch mal zu gön­nen“, sag­te so­gar ei­ne gu­te Freun­din von mir und „Au­ßer­dem gibt es ja nun wir­k­lich sch­lim­me­res, zum Bei­spiel von...“...nein ich kom­me jetzt nicht wie­der mit der glei­chen Sto­ry. 
 
Und den­noch fra­ge ich mich, warum bit­te sc­hön kann sich der Fe­mi­nis­mus in sei­ner reins­ten Form schein­bar im­mer nur durch die Stim­me ei­ner ein­zi­gen Frau die me­dia­le Auf­merk­sam­keit von FAZ bis Spie­gel ver­schaf­fen, die er ei­gent­lich doch längst nicht mehr braucht? Vi­el­leicht ja ge­nau des­halb? Weil das The­ma längst Ge­schich­te ist?!?! 

„Ou­t“ und vor­bei?!

"Fe­mi­nis­mus, Al­ter, ist das nicht voll Por­no?“, frag­te mich vor kur­zem erst auf ei­ner Par­ty der halb­star­ke Sohn ei­nes Be­kann­ten, als er das Wort ir­gend­wie am Ran­de auf­schnapp­te. Und Frau­en in mei­nem Al­ter er­klä­ren mir schon seit Jah­ren auf mei­ne Nach­fra­gen zu die­sem The­ma: „Ach Sven, wie süß. Das bes­te am Fe­mi­nis­mus ist doch, dass es vor­bei ist. Das ha­ben nur ein paar Mä­d­els noch nicht ge­checkt. Ist längst al­les ge­re­gelt. In­k­lu­si­ve der be­din­gungs­lo­sen Ka­pi­tu­la­ti­on­s­er­klär­ung Eu­rer Vä­ter.“  Ka­pi­tu­la­ti­on­s­er­klär­ung? Be­din­gungs­los? Un­ter­wer­fung? Hal­lo?
 
Wie auch im­mer. Für die meis­ten Frau­en scheint das The­ma al­so längst ge­ges­sen zu sein. Wohl wahr - sa­ge ich da nur! Denn, im Ernst, muss man nicht heu­te ei­ner Vier­zehn­jäh­ri­gen Gö­re (sor­ry - Prin­zes­sin, Fee, Maus...) gut zu re­den und ihr im­mer wie­der en­er­gisch klar ma­chen, dass die­se an­de­ren Le­be­we­sen in ih­rer Klas­se, in der Re­gel meis­tens „no­ch“ Jungs ge­nannt, zur glei­chen Spe­zi­es na­mens Mensch ge­hö­ren wie auch sie - die Mäd­chen al­so? Und muss man sie nicht stän­dig da­ran er­in­nern, dass auch Jungs durch­aus ei­ne ge­wis­se Exis­tenz­be­rech­ti­gung und Auf­merk­sam­keit ver­di­ent ha­ben. sch­licht­weg ei­ne Chan­ce, sich ähn­lich ar­ti­ku­lie­ren be­zie­hungs­wei­se in Sze­ne set­zen zu dür­fen wie die klei­ne Su­per­wo­man? Selbst wenn es Stun­den dau­ert und die­se Ty­pen in der Re­gel trotz­dem kaum ein men­sch­li­chen Ton ge­schwei­ge denn ir­gendet­was Ver­ständ­li­ches her­vor­brin­gen, was Frau auf An­hieb der men­sch­li­chen In­tel­li­genz zu­ord­nen kann?

Und brau­chen nicht um­ge­kehrt jun­ge Män­ner, de­ren Großvä­ter und  Vä­ter im 100­jäh­ri­gen Ge­sch­lech­ter­kampf mil­lio­nen­fach im klein­bür­ger­li­chen Häu­ser-Krieg und an der fe­mini­nen Fun­da­men­tal-Front um­ge­fal­len sind, drin­gen­den Zu­spruch von der Ge­sell­schaft? Müs­sen wir die­sen Va­ter­lan­do­sen jun­gen Män­nern nicht un­be­dingt das Ge­fühl ver­mit­teln, ihr Land, die Mensch­heit und die Evo­lu­ti­on braucht sie noch. Und zwar nicht nur, um als Dipl.In­ge­nieur die deut­sche Ex­port­wirt­schaft zu ret­ten oder um die täg­lich wach­sen­de An­zahl von Por­no- und Ge­walt­vi­de­os auf bil­li­gen Smart­pho­nes zu kon­su­mie­ren. Nein. Son­dern. Weil. Schwei­gen run­d­um. Höchs­tens noch ein weib­li­ches Ki­chern am Ran­de.

Wer mag fol­g­lich an­ge­sichts sol­cher Rea­li­tä­ten über­haupt noch lan­ge über so et­was ba­na­les wie Fe­mi­nis­mus re­den, oder so­gar st­rei­ten? Mei­ne Da­men - es sei denn sie wol­len sich am En­de um ih­re wohl­ver­di­en­ten Früch­te und Er­run­gen­schaf­ten brin­gen. Für so blö­de hal­ten wir sie aber nicht. Das wis­sen wir ja mitt­ler­wei­le. Und so fra­gen sich be­reits ers­te im Un­ter­grund or­ga­ni­sier­te männ­li­che Frei­heits­kämp­fer, wie zum Bei­spiel die von ei­nem fuss­ball­ver­rück­ten und ma­ra­don­nen­haf­ten Ar­gen­ti­ni­er an­ge­führ­te Grup­pe „Die Schwän­ze Got­tes“, ob nicht ganz an­de­res da­hin­ter steckt. Zum Bei­spiel ein ge­schick­tes weib­li­ches Ab­len­kungs­ma­növ­er von ei­nem ge­ra­de­zu heim­tü­cki­schen Ge­he­im­plan: Die Ab­schaf­fung des Man­nes durch sich selbst! Mit­tels ei­ner von au­ßen ge­schickt sug­ge­rier­ten und da­durch als au­to­no­me Selbs­t­er­kennt­nis emp­fun­de­nen Not­wen­dig­keit zur fi­na­len mas­ku­li­nen Selbst­zer­stör­ung..oder so ähn­lich.

Ka­pi­tu­la­ti­on? Be­din­gungs­los? Stimmt - da war doch noch et­was wo­zu ich Stel­lung be­ziehn woll­te...Schwach­sinn! Und die kom­p­let­te Ab­schaf­fung des Man­nes auf­grund sei­nes ei­ge­nen Vor­schla­ges? Irr­sinn. Und de­noch ei­ne durch­aus in­ter­es­san­te The­o­rie, die ein Männ­chen, das in den 60ern ge­bo­ren wur­de vi­el­leicht ent­wi­ckeln mag, weil es die ver­lo­re­nen Schlach­ten sei­ner Vä­ter und Vä­t­ers­vä­ter noch haut­nah mi­t­er­le­bet hat. Da­mals als Pa­pi das Re­vier mar­kier­te, das Ma­mi längst re­gier­te. „Und mein Sohn. Wenn Du ein­mal groß bist, wird das al­les hier nur Dir ge­hö­ren“, sag­te Ma­mi und zeig­te uns die Putz­schrän­ke, Wasch­kör­be, Her­de und die gro­ße wei­te Welt ih­res wun­der­sc­hö­nen Haus­hal­tes.

Und wa­ren es nicht tat­säch­lich un­se­re Vä­ter, die uns be­reits oh­ne je­g­li­che Ge­gen­wehr ver­lo­ren ga­ben und an ih­re Frau­en aus­lie­fer­ten, als sie still­schwei­gend mit an­sa­hen, wie Müt­ter ih­ren Söh­nen die Mül­l­ei­mer in die Hän­de drück­ten und sie zur Tür scho­ben? Selbst glück­lich dar­über, dass sie ge­ra­de noch ein­mal so da­von­ge­kom­men wa­ren? „Mein Sohn, mach lie­ber was Mut­ter Dir sagt. Es wird spä­ter auch nicht bes­ser.“

Nun gut. Wer mich fragt - aus mei­ner Sicht, scheint das Ding mit dem Fe­mi­nis­mus eben­falls längst ge­lau­fen. Wenn auch nicht im Sin­ne ei­ner Ka­pi­tu­la­ti­on­s­er­klär­ung ge­schwei­ge denn mit dem an­geb­li­chen Schluss­akt „Mann ver­pisst sich. Und zwar für im­mer“ . Nein. Das se­he ich, lie­be Jungs und Mä­d­els, doch ein we­nig an­ders und for­de­re wie im­mer zur all­ge­mei­nen Ge­las­sen­heit auf. 



Ihr Frau­en. Bit­te. St­rei­tet Euch nicht. Bleibt smart und läs­sig. Ihr wer­det doch längst ge­liebt für das was ihr ge­wor­den seit. Star­ke Frau­en! Bei de­nen cle­ve­re Jungs so­fort schwach wer­den. Weil ihr cool, selbst­be­wusst, er­folg­reich, un­ab­hän­gig und da­bei im­mer häu­fi­ger auch so sexy seit. Wei­ter so! Wir brau­chen Euch. Wir Män­ner, die wir längst so eman­zi­piert sind, dass wir un­ser Glück wo­an­ders ge­fun­den ha­ben - bei Euch am Herd, Bü­ge­lei­sen und Staub­sau­ger. In Eu­ren Bet­ten. Da­heim bei Eu­ren Kin­dern. Al­so - gebt Gas. Sch­rei­tet voran. Mit oder oh­ne Quo­te. Macht es bes­ser. Kamp- und krampf­los. Zeigt es den Jungs. Än­dert die­se Er­de. Es wird Zeit. Wir Män­ner. Eu­re Fa­mi­li­en. Die gan­ze Welt - wir al­le brau­chen Euch...und na­tür­lich, das ge­ben wir zu, auch Eu­er Geld.

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