30.10.2010 von Sven Ste­phan

Fra­ge: „Und was ma­chen Sie so be­ruf­lich?“ Ant­wort: „Ich bin Feu­er­wehr­mann!“

Sie ken­nen das be­stimmt. Sie ler­nen ein paar net­te Leu­te auf ei­ner Par­ty ken­nen. Sie stel­len sich ei­nem neu­en Ver­mie­ter vor, neu­en Nach­barn oder sch­lie­ßen ganz spon­tan Kon­takt mit ein paar in­ter­es­san­ten Men­schen auf ei­nem Bu­si­ness-Event oder im Ur­laub. 

Doch dann, im Lau­fe  ei­nes zu­nächst  ganz lo­cke­ren Ge­spräches  - auf Bun­te-Ni­veau -  über Her­kunft, Lie­b­lings-Städ­te, gu­te Wei­ne, tol­les Es­sen, Ho­ros­ko­pe, Sport und vie­les mehr, kommt die Stun­de der Wahr­heit. Dann ste­hen sie plötz­lich wie­der vor ihr - vor die­se schier un­aus­weich­li­chen Fra­ge. „Und Sven...und Du?“, oder „Und Herr Ste­phan. Was ma­chen Sie denn so be­ruf­lich?“

Ich ge­be es zu - es gab Zei­ten, da ver­wies ich ganz la­pi­dar auf ein paar Wer­bes­pots, die ge­ra­de im TV lie­fen oder auf dop­pel­sei­ti­ge An­zei­gen-Kam­pag­nen, die von Spie­gel, über Stern bis Ca­pi­tal & Co. ge­ra­de ge­schal­tet wur­den und fühl­te mich da­bei recht läs­sig. Ich kam meist "ge­ra­de von ei­nem Dreh für Ford" oder hat­te kürz­lich ei­nen tol­len Film für Wüs­ten­rot oder Mag­gi Sup­pen ge­schrie­ben. Ich tat je­doch im Grun­dee im­mer ganz be­schei­den und er­wähn­te nur ne­ben­säch­lich mei­ne Aus­flü­ge zu Sets und in Stu­di­os nach New York, Ham­burg, Lon­don, Mo­na­co, Süd­a­fri­ka...ach ja - die Num­mer kam ei­gent­lich ganz gut an. Ein Krea­ti­ver al­so. Dann auch noch ein Tex­ter. Das ist ja mal in­ter­es­sant! Sen­si­b­ler Typ. Et­was ko­misch vi­el­leicht aber...ja an­ders! Und soll­te das al­les zum Ein­druck schin­den nicht rei­chen, dann er­zähl­te ich ne­ben­bei noch von mei­ner Ar­beit an öko­lo­gi­schen Kurz­ge­schich­ten und an mei­nem ers­ten Buch über ei­ne ver­wor­re­ne Lie­bes­be­zie­hung zwi­schen ei­nem frei­heits­lie­ben­den Zoo-Di­rek­tor und  ei­ner tie­risch ver­k­lemm­ten  Green­pe­ace Ak­ti­vis­ten.

Und den­noch - ei­ne wir­k­li­che Freu­de mach­te ich mir mit die­sen Ant­wor­ten nicht. Denn nach ei­ni­gen kur­zen „Ohhs“ und „Ahhs“, oder „Wows“ und „Echt Cools“ wur­de es rasch un­ge­müt­lich. Denn es war klar, dass im Lau­fe ei­nes wei­te­ren Ge­spräches vor al­lem über den „un­säg­li­chen Wer­be­mül­l“ (Zi­tat Herr Dipl-In­ge­nieur), die­se „grau­en­haf­te Re­kla­me“ (Zi­tat Frau Dr. Zah­n­ärz­tin) oder die­se „stu­pi­de Pro­pa­gan­da-Be­rie­se­lung“  (Zi­tat Herr Pi­lot)  ge­spro­chen wur­de und über die vie­len ak­tu­el­len, völ­lig blöd­sin­ni­gen Spots. 



Ein paar Jah­re spä­ter dann, wäh­rend ich es zu­vor noch mit ar­beits­los und Phi­lo­soph ver­such­te, ant­wor­te ich als Ge­sell­schaf­ter ei­ner klei­nen mit­tel­stän­di­gen Wer­bea­gen­tur mit..“Ich bin Part­ner...oder Ge­sell­schaf­ter...oder Krea­tiv-Ge­schäfts­füh­rer...ei­ner Agen­tur für Mar­ke­ting­kom­mu­ni­ka­ti­on...oder für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mar­ke­ting und ver­stand es im Not­fall ge­schickt mei­nen Dipl.Be­triebs­wirt für Wirt­schaft und Mar­ke­ting mit ein­zu­bin­den“. Was aber al­les völ­lig egal war, weil es in der Re­gel nur  die Kids der viel wich­ti­ge­ren Dipl.Ing, Prof., Doc, Ju­ris­ten, Pi­lo­ten , Gärt­ner, Fri­seu­re, Ban­ker und Haus­meis­ter Frak­ti­on in­ter­es­sier­te. Und die auch nur, weil sie halt ir­gend­was mit Me­di­en ma­chen woll­ten und sich mir für ein kos­ten­lo­ses Prak­ti­kum an­bo­ten. Na toll.

Doch kürz­lich hat­te ich die er­lö­sen­de Idee! In­spi­riert durch das Be­rufs­bild mei­nes Schwa­gers, und die Tat­sa­che, wie er sich da­mit lang­fris­tig be­liebt und "grup­pen­dy­na­misch so wert­voll mach­te“, (Zi­tat Frau Psy­cho­lo­gin) er­nann­te ich mich ein­fach selbst zum Feu­er­wehr­mann. Und wir­k­lich dick auf­ge­tra­gen fand ich das nicht. Denn ist es nicht so, dass wir „Wer­ber“ und be­son­ders wir Frei­be­ruf­ler,  im­mer dann ge­ru­fen wer­den, wenn es ge­ra­de mal wie­der ir­gend­wo brennt? „Truth well
tol­d“! Hat­te ich das nicht ber Mc­Cann früh ge­lernt?! „Ja - ich bin Feu­er­wehr­mann,“ lau­tet seit­her die Ant­wort auf die Fra­ge zu mei­nem Job, den ich - wenn ich be­son­ders gut drauf bin - so­gar bis zu ei­nem, in  Ka­na­da in Spe­zial­kur­sen aus­ge­bil­de­ten „Fi­re jum­per“ aus­sch­mü­cken kann. Aber was das Bes­te ist - ich ge­hö­re end­lich wie­der da­zu. Zu den zwang­lo­sen, ge­sel­li­gen Grup­pen­ge­sprächen „da­nach“. 

Und wie ich ge­ra­de erst im Ho­ri­zont le­sen konn­te, war ich mit die­ser Idee mei­ner Zeit vor­aus und lie­ge nun - wie so oft - er­neut voll im Trend.  Denn laut der kürz­lich er­schie­nen For­sa-Stu­die und Rang­lis­te be­züg­lich der ge­schätz­tes­ten Be­ru­fe in Deut­sch­land, ist der Feu­er­wehr­mann mit 92% die ab­so­lu­te Num­mer 1 im Be­liebt­heits-Ran­king.  Die er­neut mi­se­ra­b­len Wer­te der We­ber ver­an­las­sen hin­ge­gen wei­ter­hin zu we­nig Freu­de am ei­ge­nen Be­rufs­bild, wie es der Ho­ri­zont pas­send be­sch­reibt: „Wer­ber sin­ken wei­ter ins Ima­ge­tie­f“. Nun. Was soll man al­so ma­chen?

Nach kur­zer Ana­ly­se der Ma­fo-Um­fra­ge ha­be ich auf je­den Fall noch wei­te­re Ide­en. Ich wer­de es auf je­den Fall zu­künf­tig, je nach Zu­sam­men­set­zung der Run­de, ein­mal mit „Kran­kenpf­le­ger“ (Platz 2) und „Steuer­in­spek­tor“ (seit kur­zem schwer auf dem auf­s­tei­gen­den Ast) ver­su­chen. Bei­de Ant­wor­ten las­sen doch recht viel Spiel­raum für in­ter­es­san­te und hei­te­re Ge­spräche - na­tür­lich auch über Wer­bung!

http://www.ho­ri­zont­jobs.de/be­wer­ber/kar­rie­re/trends/Wer­ber-sin­ken-wei­ter-ins-Ima­ge­tief_95955.html

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